mobiles internet „Kein Streichholz in den Tank Werfen“

Archiv: mobiles internet „Kein Streichholz in den Tank Werfen“

E-Plus-Chef Uwe Bergheim über neue Billigtarife und den Angriff auf das Festnetz. 

Herr Bergheim, in Deutschland gehen immer noch 80 Prozent aller Gespräche über das Festnetz. Wann kündigen E-Plus-Kunden ihren Festnetzanschluss? 

E-Plus-Kunden, die schon für drei Cent pro Minute ins Festnetz telefonieren können, brauchen eigentlich keinen Festnetzanschluss zum Telefonieren mehr. Ich kann aber niemandem verübeln, wenn er das Festnetz noch als Breitbandzugang ins Internet nutzt. In Zukunft können unsere Kunden zwar auch über UMTS mobil im Internet surfen. Die viel höheren Übertragungsraten bei DSL-Anschlüssen sorgen aber dafür, dass das Festnetz der überlegene Internetzugang zu Hause ist. 

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Ihr Drei-Cent-Angebot hat nicht zu massenweisen Festnetzkündigungen geführt. Werden Sie mit noch günstigeren Tarifen angreifen? 

Unsere Tarife sind immer so gestaltet, dass sie besonders preiswert sind. So werden wir uns auch weiter positionieren. Wir haben die Drei-Cent-Initiative gestartet, weil die Telefonate unser Hauptgeschäft sind. Das größte Wachstumspotenzial liegt im Festnetz mit rund 23 Milliarden Euro Umsatz jährlich. Da wollen wir ran. 

Konkurrenten wie O2 und Vodafone schnüren spezielle Tarifpakete für die Handynutzung zu Hause. Wann greifen Sie diese Idee auf? 

Seit Einführung des Drei-Cent-Tarifs sind wir an dieser Stelle klar im Vorteil. Unsere Homezone endet nicht schon nach 500 Metern, mit E-Plus telefoniert man von Garmisch-Partenkirchen bis Sylt für drei Cent ins Festnetz. Aus unserer Sicht sind die so genannten Zuhause-Tarife nur ein Behelf gegenüber einem richtig radikalen Ersatzangebot für die Festnetztelefonie. Wir wollen unsere niedrigen Tarife nicht auf wenige Meter eingrenzen, wir verkaufen schließlich mobile Gespräche. 

Telefonieren denn E-Plus-Kunden mehr? 

Da zeichnet sich ein gewaltiger Wandel des Telefonierverhaltens ab. Nutzer des Drei-Cent-Tarifs verdreifachen, vervierfachen und verfünffachen zum Teil ihr Gesprächsvolumen. Diese Kunden reden aber plötzlich nicht mehr als sonst, sondern ziehen Gespräche vom Festnetztelefon ab. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass auch mehr Anrufe im Handy ankommen. Obwohl wir bei abgehenden Telefonaten ins Festnetz wenig Gewinn machen, gleichen wir dies durch steigende Umsätze bei Gesprächen in alle anderen Richtungen wieder aus. Unter dem Strich rechnet sich das. 

Mehr Marktanteile könnten Sie gewinnen, wenn sie mit virtuellen Netzbetreibern kooperieren, die bei E-Plus Netzkapazitäten einkaufen und an ihre Kunden weitervertreiben. 

Virtuelle Netzbetreiber können uns helfen, neue Kundengruppen anzusprechen und unser Netz besser auszulasten. Der deutsche Markt nähert sich mit 72 Millionen Kunden der Sättigungsgrenze und wird nur noch zwei oder drei Jahre lang neue Kunden hinzugewinnen. Da wollen wir überdurchschnittlich wachsen. 

Wie sieht denn Ihr Wunschpartner aus? 

Wir sind da nicht festgelegt. Wenn uns jemand Netzkapazitäten abkauft, dann soll er auch selbst entscheiden können, mit welchem Konzept und welchen Tarifen er die Kunden anspricht. Ich will nicht die Wettbewerbsaufsicht sein. Wir müssen nur aufpassen, dass niemand mit dem Streichholz guckt, ob noch Benzin im Tank ist und auf Kosten aller Netzbetreiber mit Dumpingpreisen agiert. 

Die Explosion könnte die Branche erschüttern. 

Das werden wir nicht zulassen. Rund um die Uhr für ein Cent pro Minute telefonieren mit hoch subventionierten Endgeräten – in dem Moment hätten auch wir etwas dagegen. Unsere Konditionen für solche Großeinkäufer werden dafür sorgen, dass eine bestimmte Preisspanne nicht unterschritten werden kann. 

Wie preiswert kann solch ein Anbieter sein? 

Wenn morgen ein Kunde sagt: Ich möchte nur günstig telefonieren, ich brauche auch kein neues Handy, weil ich zufrieden mit meinem alten bin, ich hole mir die Rechnung aus dem Internet und nutze auch die Hotline nicht: Solch einem Kunden kann ein virtueller Netzbetreiber ein sehr viel preiswerteres Angebot unterbreiten, dass trotzdem profitabel ist. 

Wie viele Interessenten haben sich gemeldet? 

Sehr viele. Wir können momentan nicht alle Anfragen sofort bearbeiten. 

Wann löst sich der Stau auf? 

Die Cebit als Starttermin kommt zu früh. Wir haben Gespräche mit mehreren Interessenten begonnen, von denen einzelne bald zum Abschluss kommen könnten. 

Jürgen Berke/Angela Hennersdorf 

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