Archiv: Neelie Kroes, 65

Wettbewerbskommissarin, Europäische Union 

Die Niederländerin besetzt einen der einflussreichsten Posten in der EU-Kommission. Als oberste Wettbewerbshüterin Europas genehmigt Neelie Kroes Übernahmen und Fusionen, verhängt Millionenbußen, wenn Konzerne Kartelle bilden oder ihre Marktposition missbrauchen. „Kein Unternehmen steht über dem Gesetz“, sagt sie bündig. Und so brummte sie dem Softwaregiganten Microsoft im Juli eine Geldstrafe von über 280 Millionen Euro auf, weil dieser Auflagen der Kommission nicht erfüllt hatte. Auch Kartelle bekamen die Entschlossenheit von Kroes zu spüren: In diesem Jahr hat sie bereits 1,3 Milliarden Euro an Bußgeldern verhängt. 

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Damit wird Kroes dem Ruf gerecht, den der früheren niederländischen Verkehrsministerin vorauseilte, als sie 2004 nach Brüssel kam. „Nickel Neelie“ nennen sie ihre Landsleute in Anspielung auf die Eiserne Lady Margaret Thatcher. Auf demBrüsseler Parkett bewegte sich Kroeszunächst unsicher, weil ihr Auftritte vor großem Publikum nicht liegen. Steif liest sie dann vom Blatt ab, verhaspelt sich, wenn sie frei reden soll. Erschwert wurde ihr Start in Brüssel auch ausgerechnet von ihrer Erfahrung in der Wirtschaft. Die über 30 Aufsichtsratsmandate, die sie im Laufe ihrer Karriere innehatte, ließen den Verdacht der Befangenheit aufkommen. 

Dass sie die harsche Kritik nicht abprallen ließ, sondern offen damit umging, war für eine Politikerin ebenfalls ungewöhnlich. Ihre Mitarbeiter loben ihre unkomplizierte Art. Kaum etwas macht ihr so viel Spaß wie beinhartes Verhandeln. Anders als ihren Vorgänger Mario Monti faszinieren sie technische Details von Entscheidungen wenig. Der rechts-liberalen Politikerin geht es um die großen Linien: „Ich liebe aggressiven Wettbewerb – auch durch marktbeherrschende Unternehmen.“ » 

silke.wettach@wiwo.de | Brüssel 

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