Archiv: Neue Eiszeit

Die einstlangweiligen Kühlschränke werden von „Weißer Ware“ zu schicken High-Tech-Geräten. 

Der Kühlschrank der Zukunft kann sprechen: „Kauf Butter“, wird er in wenigen Jahren empfehlen oder „Kein Bier mehr“ mahnen. Das Kühlwunder kann auf die Frage des Besitzers „Noch Wurst da?“ antworten. Und sogar Rapport geben: „Habe Lachsschinken nachbestellt, kommt gleich noch.“ 

Möglich wird der mitdenkende Kühlschrank durch den Anschluss an das World Wide Web. Wenn seine Fächer leer sind, ordert er per Internet im Supermarkt nach. Besonders schlaue Schränke empfangen den Workaholic am Abend beim Nachhausekommen mit einem Menüvorschlag. 

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Das ist Zukunftsmusik, aber auch die aktuellen Geräte warten, abgesehen von coolem Design, schon mit allerlei technischen Raffinessen auf: Außen liegende Wasser- und Eisspender machen sie zur Bar. Leuchtdioden in den Einlegeböden verbreiten Hollywoodbeleuchtung zwischen Käse und Champagnerflaschen. Bei Miele kostet ein gutes Stück schon 2800 Euro. Der slowenische Hersteller Gorenje bietet einen Luxuskühlschrank mit eingelegten Swarowski-Kristallen für 2000 Euro an. Die erste Baureihe war limitiert, die zweite ist nun auch für den besser verdienenden Jedermann erhältlich. Und das mit neuen Schikanen: Beim Öffnen der Tür schallt dem Nutzer leise klassische Musik entgegen. Es gibt Premium-Kühler mit silberbeschichteten Fächern, die vermeiden sollen, dass sich lästige Mikroben ansammeln. Kaltlagerfächer mit Temperaturen um null Grad halten das Gemüse länger frisch und ansehnlicher. No-Frost-Geräte sind belüftet und machen das ständige Abtauen überflüssig. 

Vorzeigeobjekt ist ein Weinkühler. Der lebensbejahende Kosmopolit kann hier seinen Gavi-di-Gavi-Wein kalt machen und seinen Bordeaux bei 14 Grad halten. Nur wenige haben einen Weinschrank. 

Es hat sich einiges geändert – in den vergangenen 206 Jahren. Der Erfinder und Ingenieur Thomas Moore verblüffte im Hochsommer 1800 die Besucher eines Marktes mit seiner gekühlten Butter. Moore hat eine Wanne aus Zedernholz mit Kaninchenfell ausstaffiert, die Butter in eine luftdichte Blechbox gelegt und alles drum herum mit Eis aufgefüllt. Dass Kühlschrankhersteller von heute auch auf neue Ideen kommen müssen, hat einen einfachen Grund: Kühlschränke haben zumindest in Europa eine 100-prozentige Marktdurchdringung. Jeder hat einen. 

Im Branchenjargon zählen Kühlschränke zur sogenannten „Weißen Ware“ der Elektroindustrie, der zweitgrößten Industriebranche in Deutschland nach der Automobilindustrie. In den vergangenen Jahren schwankten die Geschäfte, in diesem Jahr 1 vor der großen Mehrwertsteuererhöhung erhoffen sich die Hersteller ein Umsatzplus von fünf Prozent. Und in der Zukunft frischen Schwung durch High Tech. 

andreas.wildhagen@wiwo.de 

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