Archiv: Neues Monopol

Tian Congming »  Der Präsident von Chinas staatlicher Nachrichtenagentur Xinhua will aus ihr ein profitables Medienunternehmen machen – und erhält dafür ein landesweites Monopol. 

Während Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao durch Europa reiste, verkündete seine Regierung in Peking eine Überraschung: Ausländische Agenturen wie Reuters oder Bloomberg dürfen ihre Nachrichten in China künftig nur noch über die Leitungen der staatlichen Agentur Xinhua verbreiten. Die behält sich das Recht vor, die eingehenden Meldungen zu selektieren. Bisher lieferten die internationalen Agenturen den chinesischen Unternehmen direkt Wirtschafts- und Finanzmarktinformationen. Außerdem versucht Agentur-Chef Tian Congming, Xinhua nach dem Vorbild der ausländischen Konkurrenten als Dienstleister zu positionieren, Nachrichtenbulletins für Manager zusammenzustellen und internationale Medien mit Fotos zu beliefern. Ziel: Die Profitabilität. 

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Für die Offensive ließ Tian eine Woche lang das gesamte Angebot von Reuters untersuchen. Er habe die Stärken und Schwächen der eigenen Produkte aufspüren wollen, sagt er. Doch viele Manager bezweifeln, dass Xinhua sie mit den nötigen Informationen versorgen kann: „Xinhua hat weder das Know-how noch das internationale Netzwerk, um Unternehmen schnell mit aktuellen Marktdaten beliefern zu können“, sagt ein Vertreter des chinesischen Unternehmerverbandes. Internationale Analysten werfen Xinhua vor, unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit gegen WTO-Bestimmungen zu verstoßen. „Finanzdienstleistungen sind in China ein großes Geschäft“, sagt James McGregor, Chef der Marktforschungsgesellschaft JL McGregor. „Davon möchte Xinhua einen Teil abbekommen.“ Offiziell begründet die Regierung die neue Vorschrift damit, dass sie Berichte verhindern will, die Chinas Einheit oder nationale Sicherheit gefährden, Hass zwischen Volksgruppen schüren, Obszönitäten enthalten oder „die kulturellen Traditionen der Nation“ verletzen. 

frank.sieren@wiwo.de | Peking 

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