Archiv: „Nicht abweisen“

Norbert Emmerich » Der West-LB-Vorstand über den Abschluss des Weberbank-Kaufs und die Kooperation mit den Sparkassen. 

Herr Emmerich, in Kürze wird die West-LB als Gesellschafter der Weberbank ins Handelsregister eingetragen. Was bringt Ihnen der Berliner Zukauf? 

Wir glauben, dass wir mit dem Erwerb der Weberbank auf Anhieb die Rückkehr in das Private Banking schaffen. Das geht erheblich schneller, als wenn wir gehobenes Privatkundengeschäft aus der West-LB heraus aufbauen würden. 

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Vor gut drei Jahren hat die West-LB ihr Private Banking an Merck Finck verkauft. Warum jetzt die Kehrtwende? 

Aus meiner Sicht als ehemaliger Sparkassenvorstand war der Verkauf ein Fehler. Die Sparkassen haben nie verstanden, warum die West-LB sich von vermögenden Privatkunden verabschiedete. Inzwischen hat die West-LB ein neues Geschäftsmodell. Sie ist jetzt eine Universalbank und dazu gehört das Private Banking. 

Wie wollen Sie denn die verwöhnten Reichen von Ihrem Angebot überzeugen? 

Die Sparkassen betreuen schon heute diese Kunden. Bis zu einem liquiden Vermögen von etwa einer Million Euro gelingt die Betreuung gut. Doch dann entsteht oft eine Kompetenzlücke, und Kunden, die über größere Vermögen verfügen, wechseln zu einer Großbank oder einer internationalen Adresse. Das wollen wir in Zukunft mit dem Angebot der Weberbank verhindern. 

Werden Millionäre von den Sparkassen automatisch zur Weberbank geleitet? 

Nein, es gibt unterschiedliche Größenklassen von Sparkassen. Die Großsparkassen, von denen es in Nordrhein-Westfalen einige wenige gibt, können Großvermögen weit gehend allein betreuen. Die kleinen und mittleren Sparkassen sehen hingegen, dass sie unsere Hilfe brauchen, um die hochvermögenden Kunden nicht zu verlieren. 

Wie viele der 113 nordrhein-westfälischen Sparkassen werden sich helfen lassen? 

Ich gehe davon aus, dass sich alle helfen lassen. Die Großsparkassen werden spezielle Produkte in Anspruch nehmen, die mehr als 100 anderen Häuser aber unser Private-Banking-Angebot intensiv nutzen. 

Schürt dieses Vorgehen nicht Konflikte mit den Sparkassen? 

Nein, wir konkurrieren nicht, sondern wir ergänzen uns. 

Wie viele hochvermögende Kunden betreut die West-LB derzeit bereits? 

In der West-LB haben wir heute rund 5000 Private-Banking-Kunden in Luxemburg. Die Weberbank betreut heute 33 000 Kunden, davon im Topsegment rund 4600. 

Welches Ziel peilen sie 2006 an? 

Wir wollen jährlich mehr als zehn Prozent neue Kunden gewinnen. 

Planen Sie dazu neue Niederlassungen? 

Wir werden Anfang kommenden Jahres eine Niederlassung in Düsseldorf eröffnen. Mit den Standorten in Berlin und Düsseldorf können wir dann die Sparkassenkunden in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gut betreuen. 

Und in den anderen Bundesländern? 

Wir werden nicht in anderen Bundesländern aktiv akquirieren. Wenn aber ein auswärtiger Firmenkunde, den wir schon lange betreuen, um Beratung bei der Vermögensanlage nachfragt, werden wir ihn nicht abweisen. 

Sie bieten den Sparkassen ja nicht nur das Private Banking an. Wie hat sich die Zusammenarbeit entwickelt? 

Äußerst positiv. Anfang 2004 lag die Verbundquote bei gerade 20 Prozent. Wir haben dann etwa 60 Produkte entwickelt, die wir den Sparkassen angeboten haben. Inzwischen zeigt sich, dass sich die Nachfrage auf 40 Produkte konzentriert. Heute liegt die Zusammenarbeitsquote im Neugeschäft deutlich über 50 Prozent. 

Wie verändert das geplante Sparkassengesetz das Verhältnis der West-LB zu den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen? 

Unabhängig von politischen Entscheidungen setzen wir auf eine Fortsetzung unseres partnerschaftlichen Verbundes mit den Sparkassen. 

stefanie.burgmaier@wiwo.de | Frankfurt 

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