Nicht genügend gebuckelt

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Bernhard Scheuble »  Dem geschassten Chef der Darmstädter Merck-Gruppe soll die Trennung versüßt werden. 

Erst vor wenigen Monaten hatte der Darmstädter Pharma- und Chemiehersteller Merck den Vertrag mit Bernhard Scheuble als Chef verlängert, so ein Mitglied der Eigentümerfamilie. Nach der überraschenden Trennung in der vergangenen Woche dürfe sich der 52-Jährige jetzt auf eine Abfindung in zweistelliger Millionenhöhe freuen. 

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Seit Juli 2000 hatte Scheuble den Vorsitz der Geschäftsleitung inne und war der erste familienfremde Merck-Chef. Nun übernimmt sein bisheriger Stellvertreter Michael Römer den Posten. Grund für den Wechsel ist die zunehmende Entfremdung zwischen dem in der Branche angesehenen Scheuble und der Familie, die über die E. Merck OHG zu 73 Prozent an dem börsennotierten Unternehmen Merck beteiligt ist. „Die Chemie stimmte zuletzt nicht mehr“, sagt ein Insider. 

Scheubles Führungsstil und sein Drang zur Selbstdarstellung stießen innerhalb der Familie, die aus rund 130 Gesellschaftern besteht, immer stärker auf Kritik. Der promovierte Physiker gilt als hochintelligent und scharfsinnig, aber auch als überheblich und arrogant. Darunter hatten auch seine Kollegen in der Geschäftsleitung zu leiden. Diese sollen sich mehrmals bei den offiziellen Familienvertretern Jon Baumhauer und Frank Stangenberg-Haverkamp sowie beim früheren Merck-Chef Hans Joachim Langmann beschwert haben, der noch regelmäßig in sein Büro in der Konzernzentrale kommt. 

Zudem fühlte sich dem Vernehmen nach die Familie von Scheuble, der gerne mit Analysten und internationalen Investoren diskutierte, nicht ausreichend gewürdigt. „Er hat nicht genügend gebuckelt“, sagt ein Kenner der Familie. 

Scheuble und die Mehrheitsaktionäre gerieten auch immer wieder aneinander, wenn es um größere Zukäufe ging. So prüfte der Hobby-Bergsteiger im vergangenen Jahr den Kauf des hessischen Generika-herstellers Stada, um die Merck-Sparte mit Nachahmer-Medikamenten zu stärken. Doch die Familie soll gegen diesen Deal gewesen sein. 

annette.ruess@wiwo.de, jürgen salz 

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