Archiv: Nicht solide genug?

BaFin » Die Aufsicht könnte verhindern, dass Investor George Soros die angeschlagene Gewerkschaftsbank AHBR übernimmt. 

Die Allgemeine HypothekenBank Rheinboden (AHBR) wäre Norbert Massfeller , Chef der Gewerkschaftsholding BGAG, lieber heute als morgen los. Um den Verkauf kümmert sich die Investmentbank Goldman Sachs. Ein Interessent für das angeschlagene Institut ist der legendäre Hedgefondsmanager und Großinvestor George Soros. Doch Deutschlands obersten Finanzaufseher Jochen Sanio könnte Soros Einstieg verhinden. 

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Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann, hätte beim Verkauf der AHBR an Soros oder einen anderen Finanzinvestor zwar eine Sorge weniger. Von Schimmelmann will unbedingt den Baufinanzierer BHW übernehmen. Der gehört ebenfalls der BGAG und ist an der maroden AHBR mit knapp 40 Prozent beteiligt. Doch Sanios Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) muss jeden Investor, der eine bedeutende Beteiligung an einem deutschen Finanzinstitut kaufen will, auf Zuverlässigkeit überprüfen. Ein Kriterium für Zuverlässigkeit bei dieser so genannten Inhaberkontrolle ist Straffreiheit. Gut möglich, dass Soros den Aufsehern nicht solide genug wäre. Grund: Der Hedgefondsmanager wurde im Jahr 2002 von einem französischen Gericht wegen Insiderhandels verurteilt. Ende März bestätigte ein französisches Berufungsgericht das Urteil. Soros wurde für schuldig befunden, 1988 Aktien der Großbank Société Générale gekauft zu haben, obwohl er wusste, dass die Bank übernommen werden sollte. Den Gewinn aus der 50-Millionen-Dollar-Transaktion in Höhe von umgerechnet 2,2 Millionen Euro muss Soros zurückzahlen. Eine über den Gewinn hinaus gehende Strafe wurde nicht verhängt, weil die Tat vor mehr als 16 Jahren geschah. Soros will das Urteil vor dem französischen Verfassungsgericht anfechten. Er behauptete vor Gericht, er habe die Informationen über die geplante Übernahme der Société Générale durch die Finanzgruppe Marceau Investissements nicht als vertraulich eingestuft und deshalb Aktien gekauft. Die BaFin kann erst tätig werden, wenn ein Käufer sein konkretes Interesse angezeigt hat. Soros hat das, anders als andere Interessenten, noch nicht getan. Aus der Behörde ist aber zu hören, dass eine Verurteilung wegen Insiderhandels bei der Inhaberkontrolle berücksichtigt werden müsse. Relevant für die BaFin ist auch, ob eine Bank in einen wenig transparenten Unternehmensverbund eingebunden würde, der eine Aufsicht unmöglich machen würde. 

hauke.reimer@wiwo.de | Frankfurt 

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