Nützliche Heuschrecken Friedrich Merz zu Private Equity und ihrem Wert für deutsche Unternehmen

Archiv: Nützliche Heuschrecken Friedrich Merz zu Private Equity und ihrem Wert für deutsche Unternehmen

Erinnern Sie sich noch an eine Diskussion, die wir vor ziemlich genau einem Jahr in Deutschland geführt haben? Der damalige SPD-Parteivorsitzende hatte unter der Überschrift „Marktradikalismus statt soziale Marktwirtschaft – Wie Private-Equity-Gesellschaften Unternehmen verwerten“ die so genannte Kapitalismusdebatte begonnen. Leider wurde diese Debatte nie zu Ende geführt. Als es der SPD zu heiß wurde, hat sie sogar die Existenz des Papiers bestritten. In diesen Tagen hat die Debatte aber wohl ein faktisches Ende gefunden: Einer der damals namentlich genannten Investoren („Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter“) hat 4,5 Prozent der Telekom-Aktien von der KfW übernommen und dafür 2,7 Milliarden Euro gezahlt. Vergeblich war das Warten auf ein kritisches Wort des damaligen Kritikers und heutigen Vizekanzlers. 

In bestimmten Situationen ist es wohl auch besser, auf Tauchstation zu gehen. Die Notwendigkeit und der Sinn der Aktivitäten von privaten Investoren lassen sich grundsätzlich nicht bestreiten. Anders als bei Bankkrediten engagieren sich Private-Equity-Fonds zunächst mit eigenem Geld und den Einlagen, die ihnen ihre Sparer zur Verfügung gestellt haben. Diese Sparer, das sind oft genug viele Kleinanleger, die den Fonds ihren Vermögensaufbau und ihre Altersversorgung anvertrauen und auf deren Rentabilitätsetzen. 

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Das verbreitete Misstrauen in Deutschland gegen die Fonds lässt sich wenigstens zum Teil damit erklären, dass immer noch zu große Teile der Altersversorgung im umlagefinanzierten System der Rentenversicherung gebunden sind und zu geringe Anteile in kapitalgedeckten privaten und betrieblichen Altersvorsorgesystemen aufgebaut werden. 

Ansonsten wären es nicht nur die Fantasienamen der angelsächsischen Fonds, die hier zu Lande mit einer Mischung aus Abscheu und Respekt genannt werden, sondern auch viele deutsche Gesellschaften, die die Sparer kennen würden und denen sie vertrauen könnten. Was folgt daraus? Die erkennbare Ernüchterung und Versachlichung der Diskussion sollte genutzt werden, um auch in Deutschland die Bedingungen für Eigenkapital und Altersversorgung zu verbessern. Beides gehört untrennbar zusammen. 

Die Rentenversicherung mit ihrem Zuschussbedarf von jährlich rund 80 Milliarden Euro wird eine lebensstandardsichernde Altersversorgung nicht mehr garantieren können. Im Gegenteil, der Vergleich mit dem letzten Nettoeinkommen lässt eine immer größer werdende Versorgungslücke sichtbar werden, die selbst diejenigen betrifft, die ohne Unterbrechung höchste Beiträge geleistet haben und ohne Abschläge in den Ruhestand gehen. Schon heute unterschreitet die Rente das Sozialhilfeniveau, wenn die Erwerbsbiografie zu große Brüche aufweist. 

Diese Versorgungslücken lassen sich mit noch so gut gemeinten Reformvorschlägen im System nicht mehr schließen. Wenn eine immer kleiner werdende Zahl von Beitragszahlern eine immer größer werdende Zahl von Leistungsempfängern finanzieren muss, die ihrerseits immer länger leben, dann sind es simple Dreisatzrechnungen, die das Ergebnis vorhersehbar machen. 

Es ist deshalb höchste Zeit, gerade denen, die im Zeitablauf bis zum Ruhestand noch die Chance haben, zusätzliche Versorgungsleistungen aufzubauen, verlässliche Wege dahin aufzuzeigen. Verlässlich heißt dabei nicht, bestimmte Leistungen und Erträge bis auf die zweite Stelle hinter dem Komma zu garantieren. Das können die Kapitalmärkte nicht leisten. Aber der Staat muss mit seinen Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass die Bürger Vertrauen haben dürfen etwa in die Beständigkeit seiner Zusagen, umlagefinanzierte und kapitalgedeckte Anwartschaften nicht gegeneinander aufzurechnen und die Erträge nicht doppelt zu besteuern. 

Vielleicht wird man sogar den Nachweis einfordern müssen, dass junge Menschen früh genug beginnen, eine zusätzliche kapitalgedeckte Altersversorgung aufzubauen. Denn noch ist die Zahl der Sparer in Deutschland viel zu klein und das Vertrauen in die Kapitalmärkte viel zu gering. Ja, es herrscht in vielen Bevölkerungskreisen eine beängstigende Gleichgültigkeit im Hinblick auf die Versorgung und das Einkommen im Alter. 

Ohnehin werden die privaten Haushalte die Aufteilung ihrer Budgets zwischen Konsum- und Investitionsausgaben kritisch überprüfen müssen. Für Alter und Gesundheit, auch für Bildung und Ausbildung müssen die privaten Haushalte aus den verfügbaren Einkommen mehr als bisher auf die Seite legen. Dabei können funktionsfähige Kapitalmärkte behilflich sein und der Fantasie großen Raum geben. Und damit schließt sich der Kreis zum Engagement der Private-Equity-Gesellschaften. Sie zwingen die Unternehmen, in denen sie sich engagieren, schonungslos die Schwachpunkte zu analysieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. 

Zu Recht verlangen die Investoren deshalb Einfluss auf die Entscheidungen, die das Unternehmen treffen will. Die überwiegende Erfahrung der vergangenen Jahren auch in Deutschland zeigt, dass die Fokussierung auf Wettbewerbsfähigkeit und Ertrag in der Regel auch zur Sicherung der Beschäftigung und zum Aufbau neuer Arbeitsplätze beigetragen hat. 

Aber nur in dieser Reihenfolge funktioniert unsere marktwirtschaftliche Ordnung. Und so schließt sich der Kreis zwischen gut funktionierenden Kapitalmärkten, erfolgreich tätigen Unternehmen und ausreichend im Alter versorgten Sparern. 

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