Archiv: Offene Revolte

Rewe » Aufsichtsratschef Klaus Burghard gerät beim Kölner Handelskonzern immer mehr unter Druck. 

Es klingt skurril, aber es passt zum Kölner Handelskon-zern: Aufsichtsratschef Klaus Burghard spielt seit Monaten die Rolle des Saubermanns und großen Aufräumers, der das ebenso fein gewobene wie widerstandsfähige Netz des langjährigen Rewe-Chefs Hans Reischl zerreißen will. Gleichzeitig spielt Burghard – mit wechselnden Verbündeten – seit Jahren eine entscheidende Rolle darin (siehe Wirtschaftswoche 21/2004). Burghards Alleingänge, bei denen er offenbar noch auf die Rückendeckung des Präsidialauschusses mit Jürgen Hundertmark , Herbert Blank und Gerhard Hilbert setzen kann, führen nun zum offenen Macht-kampf mit einigen Mitgliedern des Vorstandes und des Aufsichtsrates. 

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Am Mittwoch dieser Woche trafen sich Mitglieder des Aufsichtsrats, vor allem Vertreter der Arbeitnehmer, um mit dem langjährigen Finanz- und Touristikchef Gerd Bruse über dessen bevorstehende Demission zu sprechen. Sie wollten sich ein eigenes Bild von der Lage machen. Denn bisher versuchen Burghard und ein kleiner Kreis von Vertrauten praktisch im Alleingang, Bruse aus dem Unternehmen abzuschieben. Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Vertrag mit Bruse auf Drängen Burghards nicht verlängert werden soll. Gerüchten zufolge soll Burghard nun zusätzlich noch auf den Rauswurf von Josef Sanktjohanser hinarbeiten, im Vorstand für die selbstständigen Rewe-Kaufleute und den Großhandel zuständig. 

Mit Bruses und Sanktjohansers Abgang würde Burghard seinem Ziel, Reischls Gefolgsleute aus dem Konzern zu entfernen, näher rücken. Die Zeit für beide Parteien – Burghard auf der einen und die nun offenbar misstrauisch gewordenen Aufsichtsratskollegen auf der anderen Seite – drängt: Denn schon am kommenden Mittwoch steht die Personalie Bruse offiziell auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzungen der Rewe-Zentral AG und der Rewe-Zentralfinanz eG, den Kernzellen des Konzerns. Dann könnte es bei der Rewe zur offenen Revolte gegen Burghard kommen. Schließlich dürfe der Präsidialausschuss nur Vorschläge unterbreiten, „de facto handelt er aber“, klagt ein Rewe-Manager. Das sei beim vor wenigen Monaten entlassenen Einkaufsvorstand Hans Schmitz schon so abgelaufen. „Dieses Vorgehen“, wettert ein Rewe-Manager, „verstößt gegen das Aktienrecht.“ 

mario.brück@wiwo.de 

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