Archiv: Papas Liebling

Autorennfahrer Klaus Ludwig testete den Ford S-Max, den Sportler unter den Vans. 

Mit der Marke Ford habe ich im Verlauf meiner Motorsportkarriere unglaubliche Erfolge erzielt, damals in den Siebziger- und vor allem den späten Achtzigerjahren. Mit einem Ford Capri fuhr ich in den Deutschen Rennsport-Meisterschaften meine ersten Siege ein, mit einem 560 PS starken Turbo-Capri gewann ich 1981 die Deutsche Rennsport-Meisterschaft, mit einem Ford Sierra Cosworth wurde ich 1987 Vizeweltmeister. Das war eine tolle Zeit. Ford war damals die Marke, die es zu schlagen galt, im Tourenwagensport, aber auch – was heute fast schon wieder vergessen ist – in der Formel 1. Ford hat sich inzwischen leider weitgehend vom Spitzensport zurückgezogen, nur in der Rallye-Weltmeisterschaft mischt man noch mit. Dafür geben sich die Serienfahrzeuge seit einiger Zeit wieder sehr sportlich. Mit dem neuen S-Max, den ich in der 220 PS starken Topversion testen konnte, will Ford sogar eine neue Fahrzeugkategorie schaffen: den Sport-Van, eine Mischung aus Sportwagen und Großraum-Limousine. Hält das Auto, was die Werbung verspricht – die Verbindung von Dynamik mit einem hohen Maß an Komfort und Flexibilität? Bei einem ausführlichen Test in der Eifel und auf meiner Hausstrecke, der Nordschleife des Nürburgrings, musste der S-Max zeigen, was in ihm steckt. 

Schein und Sein. Die Leser von „Auto-Bild“ haben den S-Max kürzlich zum schönsten Van Europas gewählt. Nun ja, über das Urteil kann man sich sicher streiten. Aber man muss den Ford-Designern bescheinigen, dem knapp 4,80 Meter langen und fast zwei Meter breiten Auto ein interessantes Blechkleid verpasst zu haben, das sich wohltuend von den Kastenwagen in diesem Segment abhebt. Angedeutete Lufteinlässe hinter den vorderen, stark ausgestellten Radkästen, ein markanter Kühlergrill mit großen Nüstern sowie zwei Auspuffrohre am Heck verheißen schon im Stand Sportlichkeit und Schnelligkeit. Die flache Windschutzscheibe und das wie bei einem Coupé nach hinten gezogene Dach verleihen dem Van eine elegante flache Silhouette. Auch das sauber verarbeitete Interieur schmeichelt mit Linienführung und Materialauswahl dem Auge des Betrachters, zahlreiche Zierteile in Silbermatt-Optik sollen sportliche Assoziationen wecken. Wichtiger ist mir, dass das Lederlenkrad und der Schaltknauf gut in der Hand liegen und die Schalter und Hebel mir keine Rätsel aufgeben. Die Ergonomie ist durchaus vorbildlich. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Van-typische Sitzposition des Fahrers weit hinter der Frontscheibe: Wo die Motorhaube endet und das Heck des Vordermanns beginnt, lässt sich von hier aus nur erahnen. Die elektronischen Park-Piepser sollte man deshalb unbedingt ankreuzen, wenn man die Ausstattung seines persönlichen Traumwagens zusammenstellt. 

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Saus und Braus. Der 2,5 Liter große Fünfzylinder-Turbo, den Ford bei der Konzernschwester Volvo ausgeliehen hat, passt wunderbar zum fahraktiven S-Max. Mit seinem maximalen Drehmoment von 320 Newtonmetern bringt er den S-Max auch im vollbeladenen Zustand flott auf Touren. Die Leistungsentfaltung ist schön gleichmäßig, die Geräuschentwicklung auch bei schneller Fahrt angenehm niedrig. Im ersten Eindruck dachte ich zunächst, der Testwagen hätte einen Sechszylinder unter der Haube, so angenehm rund läuft die Maschine. Der Motor hängt zudem ausgesprochen gut am Gas und verleitet dadurch zu einer sportlichen Fahrweise. Auf der Autobahn ist man dann ruck, zuck auf der Höchstgeschwindigkeit von fast 240 Stundenkilometern – und, wie in meinem Fall, einem Durchschnittsverbrauch von 13,3 Litern. Ein Teil davon ist sicher als Eilzuschlag zu verbuchen. Bei zurückhaltender Fahrweise sollte man aber, wie der Hersteller verspricht, mit zehn Litern Super auskommen. Sparsamere Verbrauchswerte dürften auf jeden Fall aber die beiden Dieselmotoren bieten, die Ford alternativ für den S-Max anbietet. 

Schalten und Walten. Mit dem S-Max kann man recht flott unterwegs sein, wie ich während der Testfahrt auf einigen Hundert Kilometern feststellen konnte. Dennoch ist es für mich in erster Linie ein Familienauto, kein Sportwagen. Dafür wurde das Fahrwerk zugunsten des Komforts etwas zu weich ausgelegt. Auch über den für meinen Geschmack etwas zu nervösen, überagilen Frontantrieb und die etwas zu leichtgängige Lenkung geht einiges an Sportlichkeit verloren. Die Schwäche macht sich vor allem auf der Landstraße, bei schnellen Lastwechseln und Kurvenfolgen bemerkbar, wo das Auto zu stark den Vorderrädern nachläuft. In Kurven sollte man deshalb nicht zu vehement aufs Gaspedal treten. Die Hinterachse hingegen steht stabil, das elektronische Stabilisierungsprogramm regelt sauber. Und die Bremsen sind immer da, wenn man sie braucht. Da gibt es nichts zu meckern. Insofern braucht man sich im Alltagsverkehr keine Gedanken über die Fahrsicherheit machen, zumal der Wagen serienmäßig all jene elektronischen Heinzelmännchen an Bord hat, die heutzutage schwierige Verkehrssituationen zu meistern helfen. Im Stadtverkehr ist der S-Max trotz seiner respektablen Abmessungen ein durchaus wendiges Fahrzeug mit einem erfreulich kleinen Wendekreis. Das Sechsganggetriebe ist gut gestuft und leicht zu schalten. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich viele Käufer eine Schaltautomatik wünschen, die derzeit nicht lieferbar ist. Auch hier gibt es also durchaus noch Entwicklungsmöglichkeiten. 

Geld und Kapital. Den S-Max gibt es – mit kleinerem Motor – schon für etwa 25 000 Euro. Der Basispreis für ein Auto in der Topmotorisierung liegt bei rund 30 000 Euro, zu denen bei unserem Testwagen noch einmal über 9000 Euro für allerlei Sonderausstattungen wie ein Panoramadach, Navigationssystem und Xenonscheinwerfer hinzukamen. Das ist eine Menge Holz für ein Auto, das nicht indie Luxuskategorie fällt. Aber der S-Max bietet eine Menge Nutzwert fürs Geld.Die Beladung des S-Max mit unserer neuen Waschmaschine beispielsweise war auch dank einer erfreulich niedrigen Laderaumkante und viel Platz zwischen den Rad-kästen ein Kinderspiel. Gepäckraum ist auch dann reichlich vorhanden, wenn das Auto komplett mit fünf Sitzen bestuhltist. Gegen einen Aufpreis von 775 Eurolässt sich der Ford auch zum Siebensitzer aufrüsten. Das flexible Sitzsystem erlaubt zudem eine schnelle Anpassung des Lade-volumens und Sitzplatzangebots an den aktuellen Bedarf:Die Einzelsitze im Fond sind in der Längsrichtung verstellbar, einzeln umzuklappen und im Boden zu versenken. Mein Fazit: Der S-Max ist ein Raumwunder im Trainingsanzug, mit Platzsatt und hoher Variabilität bei einer Menge Fahrspaß. Er dürfte damit sicherlich schnell zu Papas – und natürlich auch Mamas – Liebling werden. 

Aufgezeichnet von: franz.rother@wiwo.de 

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