„Permanentes Risiko“

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Währungsunion » Robert Mundell über die Zukunft des Euro. 

Herr Mundell, als die Europäische Währungsunion 1999 startete, hofften Politiker und Ökonomen, dass der Euro als Katalysator für die politische Einigung Europas wirken würde. Nach den gescheiterten Referenden zur EU-Verfassung ist von einer politischen Union keine Rede mehr. 

Es war von Anfang an eine Illusion, dass der Euro den Weg in die politische Union bahnen würde. Diese ist nur in einzelnen Stufen über einen längeren Zeitraum zu erreichen. Gut möglich, dass wir den nächsten Schritt erst in 10 oder 20 Jahren machen werden. 

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Kann die Währungsunion ohne politische Union überleben? 

Die Währungsunion funktioniert trotz der politischen Spannungen und schreitet weiter voran. Sieben der zehn neuen EU-Länder haben ihre Währung in den Wechselkursverbund EWS II eingebunden und werden voraussichtlich in den nächsten Jahren den Euro einführen. 

Gleichzeitig scheint Italien aber mit dem Austritt aus der Währungsunion zu liebäugeln. 

Für Italien wäre ein Austritt aus der EWU ein ökonomisches Desaster. Die italienischen Kapitalmarktzinsen würden sich sofort verdoppeln. Angesichts der enormen Stabilitätsrisiken und der hohen Verschuldung des Landes würden die Anleger einen höheren Risikoaufschlag für italienische Staatsanleihen fordern. Das würde den Schuldendienst des Staates in die Höhe treiben. 

Ginge es Deutschland ohne den Euro heute besser? 

Deutschland kann froh sein, den Euro zu haben. Gäbe es noch die D-Mark, hätte sie wegen des deutschen Exportbooms drastisch aufgewertet. Umgerechnet in Euro läge ihr Wechselkurs derzeit wohl bei 1,50 bis 1,75 US-Dollar. Weil der Euro jedoch eine Gemeinschaftswährung ist und die Situation aller Euroländer reflektiert, kann er nicht so deutlich auf Änderungen der deutschen Außenhandelsposition reagieren. Davon profitieren die deutschen Exporteure. 

Die Europäische Zentralbank (EZB) scheint dem Euro-Wechselkurs nicht so große Bedeutung beizumessen? 

Es wäre besser, wenn die EZB der Wechselkursentwicklung mehr Aufmerksamkeit widmete. Die starken Schwankungen des Euro gegenüber dem Dollar sind ein permanentes Risiko für die Wirtschaft. Die EZB sollte daher Bandbreiten festlegen, innerhalb derer der Wechselkurs gegenüber dem Dollar schwanken kann. Diese Bandbreiten muss sie notfalls durch Interventionen am Devisenmarkt verteidigen. Noch besser wäre es allerdings, wenn die Wechselkursschwankungen zwischen Dollar und Euro ganz verschwänden. 

Was meinen Sie damit? 

Die USA und Euroland sollten eine Währungsunion mit einer gemeinsamen Zentralbank bilden. In beiden Wirtschaftsräumen hat es in den vergangenen Jahren keine nennenswerte Inflation mehr gegeben. Die Wechselkursschwankungen aber waren enorm und haben die Finanz- und Gütermärkte gestört. Eine gemeinsame Währung würde das verhindern. Und Europa würde dann nicht mehr mitten im Abschwung mit einer Aufwertung der Währung belastet. 

In einer Währungsunion können Kostennachteile aber nicht mehr durch Abwertungen ausgeglichen werden. 

Deshalb müssen die Löhne und Preise vor allem in Europa deutlich flexibler werden. Das wäre allerdings auch dann der Fall, wenn jedes Land noch seine eigene Währung hätte. 

Eine gemeinsame Geldpolitik in einer Währungsunion zwischen den USA und Europa stellte die Zentralbanken vor große Herausforderungen. In den USA ist das Wachstumspotential doppelt so hoch wie in Euroland. 

In einer Währungsunion kann es durchaus Regionen mit einem überdurchschnittlich hohen Wachstum geben. Dann wird halt ein großer Teil des gesamten Geldangebots dorthin fließen und die hohe Geldnachfrage befriedigen. 

Haben wir bald wieder einen schwachen Euro? 

Denkbar ist das. Denn der Wachstumsvorsprung der USA gegenüber Europa dürfte weiterhin hoch bleiben. Zudem könnte das Scheitern der EU-Verfassung Nachwirkungen auf den Euro-Kurs haben. 

malte.fischer@wiwo.de 

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