Archiv: Persönliche Ansage

Tomoyo Nonaka » Die Chefin des japanischen Elektronikkonzerns Sanyo muss die Sanierung beschleunigen. Die Hausbank drängt. 

Schlechte Nachrichten ist sie gewohnt: Als TV-Journalistin hat Tomoyo Nonaka jahrelang über Pannen und Pleiten berichtet – charmant, verbindlich. Seit die 51-Jährige jedoch im Juni den Vorstandsvorsitz des japanischen Elektronikkonzerns Sanyo Electric übernahm, muss sie immer mehr schlechte Meldungen in eigener Sache verbreiten. 

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Ihre jüngste Niederlage: die Hausbank Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG) schickt einen ihrer härtesten Sanierer als Kontrolleur in den Konzern. Koichi Maeda wurde zum Vize-Präsidenten des Elektronikherstellers berufen. Zudem soll er in den Vorstand einrücken, vermutlich als Finanzchef, um den mit umgerechnet 15 Milliarden Euro verschuldeten Massenhersteller aus der Krise zu führen. Für das laufende Geschäftsjahr kündigte Sanyo überraschend an, der Konzernverlust werde mindestens 1,1 Milliarden Euro betragen, 400 Millionen mehr als zunächst erwartet. Sonderabschreibungen, sinkende Wettbewerbsfähigkeit bei Endgeräten und ein tiefrotes Minus in der Halbleitersparte hatten den Fehlbetrag schon 2004 auf nahezu 1,3 Milliarden Euro getrieben. 

Nonaka zieht nun die Notbremse. Von den 14 000 Jobs, die Sanyo ursprünglich bis März 2008 abbauen wollte, sollen nun rund zwei Drittel bis Februar 2006 wegfallen. Zudem verabschiedet sich der Konzern aus dem Geschäft mit DVD-Geräten. Zwei Fabriken sowie 68 Niederlassungen werden geschlossen, die Zentrale in Osaka steht zum Verkauf. Damit sollen die kurzfristigen Verbindlichkeiten bis Ende März 2008 um rund 4,5 Milliarden Euro gesenkt werden.An Nonaka hält Sanyo-Chairman Satoshi Iue fest: „Sie bringt als Außenstehende die Sicht des Kunden ein.“ Der Sohn des Konzerngründers holte die einstige TV-Diva wegen ihrer Werbewirkung und Ausstrahlung ins Unternehmen. Ihr Aufstieg von der Olympia-Ansagerin des Fernsehsenders NHK zur Ikone der wichtigsten Wirtschaftssendung, später zur Chefin des Thinktanks beim Brokerhaus Nikko Securities und Mitglied mehrerer Regierungskommissionen hatte die Sanyo-Spitze beeindruckt. Wie sich Nonaka mit ihrem neuen Aufseher versteht, darüber rätselt Japan noch. Maeda gilt als „kalter Hund“. Die Börse traut dem 56-Jährigen zu, bei Sanyo die Wende zu schaffen. Am Tag seiner Ernennung schnellte der Börsenkurs um 12,5 Prozent hoch. 

angela.koehler.wiwo.de | Tokio 

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