Pfiffe in der Kantine

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Johann Weihen » Da der IBM-Deutschland-Chef die Pensionslasten nicht reduzieren kann, streicht er den Mitarbeitern die Urlaubssondervergütung. 

Pfiffe gellten durch die Kantine der deutschen IBM-Hauptverwaltung in Stuttgart-Vaihingen. Die rund 1000 Mitarbeiter, die zur Betriebsversammlung gekommen waren, reagierten empört. Johann Weihen, der Chef der deutschen IBM-Niederlassung, will die Ausgaben für die betriebliche Altersversorgung um rund 50 Millionen Euro kürzen. Eine Vorgabe aus der US-Konzernzentrale. Doch der Betriebsrat weigert sich, unter diesen Vorbedingungen darüber zu verhandeln. Und auf das Votum der Arbeitnehmervertreter ist Weihen in diesem Fall angewiesen. Weil der Betriebsrat bisher nicht eingelenkt hat, hat Weihen die Betriebsvereinbarung über das zusätzliche Urlaubsgeld gekündigt. 

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Ohne Gegensteuern muss Weihen pro Jahr einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag für die Pensionsrückstellungen zusätzlich aufwenden, „verursacht durch niedrige Verzinsung am Kapitalmarkt und längere Lebenserwartung“, heißt es aus der Deutschland-Niederlassung. „Drei verschiedene Gutachten haben ergeben, dass keine wirtschaftliche Notwendigkeit für derart massive Einschnitte in die Pensionspläne vorliegen“, kontert Konzernbetriebsratschef Michael Euler. Nun schickt Weihen den für Personalbelange zuständigen Geschäftsführer Christoph Grandpierre vor. „Es ist weiterhin unsere klare Priorität, Einsparungen dort zu erzielen, wo die wachsenden Aufwendungen entstehen, nämlich bei den Pensionsplänen. Dies ist vorerst nicht möglich“, so Grandpierre in einer E-Mail an die IBM-Beschäftigten, die der WirtschaftsWoche vorliegt. „Wir sehen uns daher gezwungen, die Betriebsvereinbarungen zur zusätzlichen Urlaubsvergütung in der IBM Deutschland und den Tochtergesellschaften mit entsprechenden Regelungen zu kürzen.“ Ein Schritt, der bei den Beschäftigten für Unruhe sorgt – auch weil die geplanten Rentenkürzungen nur 10 300 Mitarbeiter beträfen, die Streichung der Urlaubsbezüge dagegen alle 22 000 IBM-Beschäftigte in Deutschland. Die Einsparung beim Urlaubsgeld brächte rund 40 Millionen Euro, aber erst ab 2007. 

michael.kroker@wiwo.de 

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