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Lanxess » Für Liu Zhengrong ist es eine Bewährungsprobe. Der 36-jährige Chinese ist Personalchef des Chemieunternehmens Lanxess, einer Ausgründung des Bayer-Konzerns – und damit wohl der bisher einzige Chinese, der es ins Topmanagement eines großen deutschen Unternehmens geschafft hat. Weltweit ist Liu für etwa 20 000 Mitarbeiter verantwortlich, davon rund 10 000 in Deutschland. Der Härtetest steht Liu jetzt, wenige Monate nach seinem Jobantritt, bevor. Lanxess-Chef Axel Heitmann will in Leverkusen unrentable Feinchemie-Betriebe schließen. Ebenso soll einer der beiden Standorte für spezielle Kunststoffprodukte dichtgemacht werden: Entweder das Werk im rheinischen Dormagen oder die Fabrik im spanischen Tarragona. Lanxess will so mindestens 100 Millionen Euro einsparen. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen müssen mehr als 1000 Beschäftigte um ihre Jobs fürchten. Für deutsche Mitarbeiter gilt noch eine Standortvereinbarung, die bis 2007 den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen vorsieht – doch es ist nicht ausgeschlossen, dass darüber noch mal verhandelt werden muss. 

Bei einigen Betriebsräten genießt Personalchef Liu durchaus Anerkennung. „Der Mann weiß, was er will und drückt sich deutlich aus“, sagt etwa Betriebsrat Karl-Josef Ellrich. Über die Lage von Lanxess, das zahlreiche unrentable Geschäfte mit sich führt, und die Zukunft der deutschen Chemieindustrie gibt sich der Chinese keinen Illusionen hin. Er weiß, wie wettbewerbsstark inzwischen die Konkurrenz aus seiner Heimat geworden ist – und erklärt es gern und oft.Lius Schilderungen überzeugten sogar DGB-Chef Michael Sommer . 

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Den ersten Kontakt zu Bayer-Managern knüpfte der in Shanghai geborene Liu während seines Studiums in Köln. Der wissbegierige Student bekam ein Praktikum bei Bayer in Peking – und nutzte seine Karrierechance. Er lernte Axel Heitmann kennen, der damals auf dem Sprung nach China war. Als Heitmann später Chef von Lanxess wurde, nahm er Liu, mit. In seinem neuen Job in Leverkusen fand der sich schnell zurecht. Nur eines irritiert den Personalchef noch immer: „In China war es so, dass ich stets eine Brückenfunktion zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern inne hatte. Jetzt ist es so, dass ich qua Amt zum Arbeitgeberlager gehöre. Das habe ich zu akzeptieren, aber das ist mir fremd.“ 

j.salz@wiwo.de 

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