Politik + Weltwirtschaft – Interview mit Professor Meinhard Miegel über Rentenkürzungen und längereLebensarbeitszeit. Heft 32/2005 Schweiz-Modell gefährdet

Archiv: Politik + Weltwirtschaft – Interview mit Professor Meinhard Miegel über Rentenkürzungen und längereLebensarbeitszeit. Heft 32/2005 Schweiz-Modell gefährdet

Professor Miegel sagt, in der Schweiz seien ältere Beschäftigte in den Arbeitsmarkt genau so integriert wie jüngere. Dies trifft heute jedoch immer weniger zu. Richtig ist, dass Schweizer Arbeitnehmer gerne länger arbeiten und dies bisher auch getan haben. Sie werden von den Unternehmen jedoch ebenso rasch abgebaut wie in anderen Ländern auch. Dazu gab es in den letzten Jahren vor allem den Umweg über die Invalidenversicherung, die den Übergang in eine vorzeitige Pensionierung finanzierte. Richtig ist auch, dass bei älteren Mitarbeitern in den meisten größeren Unternehmen eine große Angst im Hinblick auf die Beschäftigungsaussichten besteht. Insofern trifft die Aussage von Professor Miegel heute immer weniger zu. Dazu passt das „Lob“ der Schweiz in der gleichen Ausgabe von Heinrich v. Pierer. Er schreibt: „Da bieten Eigenvorsorge und Mehrsäulenmodell bei Weitem mehr Nachhaltigkeit als unser gesetzliches System der Kranken- und Rentenversicherung.“ Tatsache ist jedoch, dass bereits über 30 Prozent der Bevölkerung staatliche Zuschüsse zur privaten Krankenversicherung erhalten, weil diese sonst nicht mehr finanziert werden kann. Tatsache ist auch, dass die erste Säule (Alters- und Hinterbliebenenversicherung, AHV) derzeit nicht als gesichert gilt, die zweite Säule(Firmen-Pensionskasse) immer schlechtere Erträge abwirft und die dritte Säule (privates Sparen) nur noch dann Erträge bringt, wenn man in Aktien oder Hochrisiko-Anlagen ausweicht. Zudem erhalten Ausländer, leben sie nicht 40 Jahre in der Schweiz und zahlen laufend in AHV ein, keine volle Altersrente, sogar dann nicht, wenn sie auf Grund eines hohen Einkommens überproportional viel einzahlen (müssen). Das über 50 Jahre erfolgreiche Schweizer Modell gilt heute ebenfalls als höchst gefährdet. 

Klaus J. Stöhlker Zollikon-Zürich (Schweiz) 

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