Archiv: Pracht-Katze

Mit dem neuen XK kann Jaguar wieder zum Maßstab für britische Sportwagen werden. 

Es ist der Traum eines Werbers: Die Essenz einer Innovation mit dem absoluten Minimum an Vokabular. Audi – Vorsprung durch Technik, das war so ein Klassiker. Jetzt kommt Jaguar mit einem neuen Modell und einer noch kürzeren Formel. „Gorgeous“, so heißt es in der Anzeige, sei der neue XK 4.2 L V8. Im Bild eine junge Frau im schwarzen Kleid, lange blonde Haare, vom Winde verweht. Die Tür des Wagen steht offen, sie stützt sich cool mit einem schlanken Arm am Dach des XK ab. Im Vordergrund rechts eine Männerbrust im glänzenden Hemd. Ob er mit darf? „Gorgeous – gets in everywhere“. Damit ist doch nur sie gemeint, oder? 

Kein Wort über das Auto in der Anzeige, nur dieses Adjektiv: „hinreißend“ könnte man es übersetzen, oder auch „traumhaft“. Was suggeriert dieser sprachliche Minimalismus? Über den Wagen selbst oder die Marke braucht man eigentlich kein Wort mehr zu verlieren, hier geht es nur noch um Emotionen.Jaguar steht für kraftvolle Eleganz,raubtierhafte Geschmeidigkeit. Ein Jaguar kommt leise daher, ganz sanft, aber im entscheidenden Moment tritt er blitzschnell an. 

Anzeige

Kenner wissen natürlich das Kürzel zu lesen: XK steht bei Jaguar traditionell für die besonders sportlichen Raubkatzen. Der XK 120, 1948 auf der London Motor Show vorgestellt, machte des Anfang. Die 120 standen für 120 Meilen in der Stunde, das waren mehr als 190 km/h, damals ein sensationeller Wert. Der neue XK nennt sich also 4.2 L V8 – also 4,2 Liter Hubraum auf acht Zylinder verteilt. Solange der „Jag” seine Beute umschleicht, ist nicht mehr als ein feines Säuseln zu vernehmen. Aber im Spurt grollen die 298 PS gefährlich. Nach 6,2 Sekunden zieht die Tachonadel an der 100 vorbei, bei 250 darf sie nicht weiter, die Elektronik hält den Jaguar an der virtuellen Leine. Sonst wäre es vielleicht ein XK 200 geworden. Wie Ms. Gorgeous solch Kräfte bändigt? 

Solange das Raubtier entspannt durch die Landschaft streift, erledigen die adaptive Servolenkung und der ruckfrei agierende Sechsgang-Automat den Job. Wenn der Jaguar jedoch schnell und wendig sprinten soll, legt die Halterin den Schalthebel der Automatik nur kurz nach links in den Sportmodus – und dann kann sie das Biest mit den Lenkradwippen durch die Gänge jagen. Erst wenn der V8 wütend im roten Drehzahlbereich brüllt, greift die Automatik wieder ein. 

Dass die Katze so willig springt, hat übrigens auch mit der radikalen Diät zu tun, die ihr die englischen Ingenieure verordnet haben. Der neue Jaguar besteht komplett aus Aluminium, das spart Gewicht. Im Innenraum geht es traditionell gediegen zu: Holz und Leder, very british. Der neue XK bietet deutlich mehr Platz als sein Vorgänger – allerdings nur für Ms. Gorgeous und ihren Beifahrer. Die Rückbank ist für ein Picknick-Körbchen und die Sonntagszeitung ausreichend. 

Zu den Schokoladenseiten des XK gehört sein Fahrwerk mit aktiver Dämpfung: Die ist nicht knallhart à la Ferrari, sondern eben typisch Jaguar – geschmeidig. Den Wagen komfortabel zu nennen, wäre wahrscheinlich ein Affront: Unter seinen Ahnen waren schließlich reinrassige Rennwagen; schnelle Runden auf der Nürburgring-Nordschleife sind folglich garantiert. 

Hier zu Lande wird der neue XK sich sein Revier nur mit wenigen Artgenossen teilen müssen, nur 1000 der jährlich geplanten 25 000 Einheiten werden in Deutschland erwartet. Bleibt noch eine Frage: Das Coupé (ab 81 500 Euro) oder das Cabriolet (ab 89 500 Euro)? Eine schier unmögliche Entscheidung: beide „just gorgeous”. 

Matthias Pfannmüller 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%