„Preise diktieren“

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ARD » Vorsitzender Thomas Gruber über Werbeverbote für öffentlich-rechtliche Sender. 

Warum verzichten die öffentlich-rechtlichen Sender nicht grundsätzlich auf Werbung, zumal sie sieben Milliarden Euro aus Rundfunk- und Fernsehgebühren einnehmen? 

Lediglich acht Prozent der gesamten Werbeeinnahmen aus Hörfunk und Fernsehen gehen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – mit rückläufiger Tendenz. Diese Einnahmen stabilisieren die Rundfunkgebühr. Ein Verzicht auf Werbung und Sponsoring würde eine zusätzliche Erhöhung der monatlichen Rundfunkgebühren in Höhe von etwa 1,50 Euro bedeuten. 

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Moment – die ARD-Sender könnten ja sparsamer mit den Gebührengeldern umgehen? 

Allein der Bayerische Rundfunk muss wegen der geringer ausgefallenen Gebührenerhöhung zum 1. April dieses Jahres in der laufenden Gebührenperiode schon 54 Millionen Euro einsparen. Meinen Kollegen in der ARD geht es da zum Teil noch schlimmer. Natürlich kann man noch sparsamer mit den Gebühren umgehen, aber nur um den Preis eines massiven Abbaus von Leistungen, und das will dann auch keiner, wie die Erfahrung lehrt. 

Die Privatsender mussten auch sparen, die hätten nun gern die Werbegelder von ARD und ZDF. 

Die deutsche Werbewirtschaft hat sich mehrfach öffentlich für Werbung und Sponsoring bei den Öffentlich-Rechtlichen ausgesprochen und die Unverzichtbarkeit für die Wirtschaft untermauert. Es ist nämlich keineswegs so, dass die bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten eingebuchten Werbezeiten automatisch der privaten Konkurrenz zufielen, wenn den öffentlich-rechtlichen Anstalten die Werbung untersagt würde. Richtig ist: Die Werbewirtschaft wirbt gezielt in den öffentlich-rechtlichen Programmen, um eine Zielgruppe zu erreichen, die die privaten Sender bisher mehr oder weniger bewusst vernachlässigt haben. 

Wäre aber nicht gerade angesichts des jüngsten Skandals um Schleichwerbung in ARD-Sendungen ein vollständiger Verzicht auf Werbung geboten? 

Nein, noch einmal: Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nutzt der Allgemeinheit. Den kommerziellen Sendern entsteht dadurch kein Nachteil. Ein Verbot für die Öffentlich-Rechtlichen würde dagegen ein Werbe-Duopol im deutschen Fernsehen in greifbare Nähe rücken. Die zwei großen kommerziellen TV-Konzerne – die Sender der RTL-Familie und die der ProSieben-Gruppe – könnten fast den gesamten Markt unter sich aufteilen und die Preise für die Wirtschaft diktieren. 

Sollten ARD und ZDF nichtwenigstens nach 20 Uhr auf das ausufernde Sponsoring verzichten? 

Bei einer strikten Trennung von Werbung und Programm ist die journalistische Glaubwürdigkeit in jedem Fall gewährleistet. Man mag sich über den Umfang des Sponsorings streiten, in einem Bereich ist es unverzichtbar, nämlich beim Sport. Ein Verbot des Sponsoring würde es uns praktisch unmöglich machen, noch interessante Sportveranstaltungen zu erwerben. Sponsoring ist beim Sport immer Teil des Rechtepakets. 

Sind ARD und ZDF 2010 werbefrei? 

Ich halte es mit Winston Churchill: Prognosen sind unsicher, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Im Ernst: Da ich nicht glaube, dass uns die Politik den Ausfall der Werbeerträge durch eine Erhöhung der Gebühren kompensieren wird, hoffe ich, dass die bestehende Regelung auch die nächsten fünf Jahre überdauern wird. 

peter.steinkirchner@wiwo.de 

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