Archiv: Privater Anschluss

Lufthansa- Businessjets verbinden das Beste der Privatfliegerei mit den Vorteilen der Fluglinie. 

Es ist fast halb acht, als der Chauffeur dem Anwalt die Limousinentür öffnet. Um neun Uhr soll der in Stuttgart einen Vertrag verhandeln und steht noch am fast menschenleeren Flughafen Kiel. Da hat er ein Problem, oder? 

Hat er nicht. Denn heute reist der Jurist mit Turbo. Nach 15 Sekunden ist er durch die Sicherheitskontrolle und steigt in die wartende Lufthansa-Maschine. Die Linie vernachlässigt zwar Kiel in ihrem Flugplan. Doch heute macht sie eine Ausnahme und schickt einen Businessjet. So wechselt der Anwalt um halb neun am Flughafen Stuttgart von der fünfsitzigen Cessna Citation Excel in einen Mercedes und betritt noch vor der Zeit den Konferenzraum. 

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Solche Ausnahmen macht Deutschlands größte Fluglinie für jeden, dem schnelleres Reisen innerhalb der EU 4500 Euro und mehr wert ist. Seit dem Frühjahr 2005 betreibt Lufthansa – neben dem Billigflieger Germanwings, dem Liniennetz und den reinen Business-Class-Flügen in die USA – auch Privatjets. Partner dabei ist NetJets, der weltgrößte Anbieter von Teileigentum an den fliegenden Chefbüros und als Teil des Berkshire-Hathaway-Konzerns im Besitz der Investmentlegende Warren Buffett. 

Das Lufthansa Private Jet genannte Angebot hat sich schnell etabliert. Statt wie geplant auf ein, zwei Kunden kommt die Linie auf bis zu 20 Vermietungenpro Tag und einen geschätzten Umsatz von rund 15 Millionen Euro im ersten Jahr; und dies obwohl die Lufthansa oft teurer ist als andere. Wer dieselbe Strecke am gleichen Tag hin- und zurückfliegt, zahlt zuweilen doppelt so viel wie bei reinen Chartervermittlern. 

„Offenbar bieten wir den Kunden ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Thierry Antinori, für das neue Lufthansa-Produkt zuständiger Bereichsvorstand. Seine Mini-Jets kombinieren eben die Vorteile der Privatfliegerei mit denen einer Fluglinie. „Wir bieten das Beste beider Welten“, sagt der gebürtige Franzose. 

Privatjets sind reine Effizienzmaschinen. „Bei uns geht es nicht um Glamour“, gibt David Savile vom weltgrößten Chartervermittler und Konkurrenten Air Partner zu bedenken. Schließlich ist es in einer Citation ungeachtet der Ledersessel und feinem Catering letztlich nicht sehr bequem für die Passagiere. Sei's drum. Sie alle wollen – mehr oder weniger bequem – per Jet der toten Zeit an Terminals davonfliegen: Privatjets starten von kleinen Flugplätzen ohne lange Schlangen. Sie warten auf die Passagiere, und nicht umgekehrt, wie beim Linienflug. Dazu entfallen lange Transfers, denn die kleinen Maschinen können allein in Europa auf gut 1000 mehr Pisten landen als die großen Linienjets. Dennoch bleiben die Reisen in den LH-Business-Jetsstets fest in den Flugplan eingebun-den. Darum warten Anschlussflüge der Lufthansa bei Verspätungen solange es geht auf die Umsteiger. Ist die Linienmaschine doch einmal weg, muss dieAirline für eine Ersatzverbindung sorgen. 

Firmenkunden wissen auch zu schätzen, dass die Reisen als reine First-Class-Flüge abgerechnet werden. Dadurch dürfen alle, die in der feinen Klasse der Lufthansa unterwegs sind, auch diePrivate Jets ohne weitere Diskussionenmit Controllern buchen. Überdies gibtes für jeden Flug im Businessjet 10 000Statusmeilen auf das Miles & More-Konto. 

Kein Wunder, dass Lufthansa das Angebot jetzt um etwas größere Flieger und auch längere Strecken erweitern will. Sagt Antinori: „Wir denken darüber nach, Strecken innerhalb von Asien und den USA als Verlängerung unserer Linienverbindungen zu fliegen.“ 

Rüdiger Kiani-KreSS 

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