Archiv: Proteste in China

Siemens » Der Konzern muss in China erstmals Arbeitsplätze abbauen. 

Der Münchner Siemens-Konzern will in China kurzfristig Mitarbeiter entlassen. Ein bisher einmaliger Vorgang. Die Beschäftigten dort sind empört. 

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Im Zuge der Übergabe des Mobiltelefongeschäfts an den taiwanischen Elektronikkonzern BenQ sollen mehr als 100 der 2000 Siemens-Stellen in China wegfallen. Betroffen sind vor allem die Vertriebs- und Marketingabteilungen in Peking, Shanghai und Kanton. Mitarbeiter protestierten bereits vor der China-Zentrale von Siemens in Peking. „Wir wollen Respekt“, zitiert die „Neue Pekinger Zeitung“ einen geschassten Angestellten. „Vorher gab es kein Anzeichen für eine Kündigung, und nun sollen wir plötzlich einen Aufhebungsvertrag unterzeichen.“ 

Die Chinesen ärgern sich vor allem über die Arroganz der deutschen Manager, heißt es. So soll ein deutscher Mitarbeiter Ende Juni kommentarlos eine Verhandlungsrunde verlassen haben, als die Entlassenen ein offizielles Kündigungsschreiben verlangten. Zwar entschuldigte sich Peter Weiss , Chef der Siemens-Kommunikationssparte in China, umgehend. Doch seither ist die Stimmung vergiftet. „Ein Deutscher verdient 26-mal so viel wie ein Chinese, obwohl er auf dem gleichen Posten die gleiche Leistung bringt“, beschwerte sich ein entlassener Marketing-Manager, „aber keinem einzigen Deutschen wurde gekündigt.“ Siemens will den entlassenen Mitarbeitern Abfindungen in Höhe von insgesamt einer Million Euro zahlen. Zu wenig, finden die Betroffenen, andere internationale Konzerne zahlten mehr. Außerdem hat BenQ mehreren Siemens-Mitarbeitern neue Stellen angeboten, allerdings zu schlechteren Bedingungen. 

Als Siemens im Juni sein Mobiltelefongeschäft an BenQ verkaufte, gehörte die Siemens-Handyfabrik in Shanghai nicht dazu. Die Verhandlungen, ob BenQ das Werk übernimmt, laufen noch. Zugesagt hat BenQ-Chef Lee Kuen-yao bisher nur, die Kapazitäten dort drei Jahre lang auszulasten. Ende August will Lee die Asienzentrale des zukünftigen BenQ-Handygeschäftes in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh einrichten. Die weltweite Zentrale sitzt in München. 

frank.sieren@wiwo.de | Peking 

angela hennersdorf 

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