Radikalkur in Stuttgart?

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DaimlerChrysler » In der Zentrale des Autokonzerns soll offenbar jeder dritte Arbeitsplatz gestrichen werden. 

Der Ruf als harter Sanierer eilt Mercedes-Chef Dieter Zetsche voraus, seit er vor fünf Jahren begann, die amerikanische DaimlerChrysler-Tochter Chrysler zu sanieren, rund 26 000 Stellen strich und mehrere Werke schloss. Vor wenigen Wochen kündigte er auch bei der einstigen Vorzeigetochter Mercedes ein Sanierungsprogramm samt Arbeitsplatzabbau an. Und bevor er imJanuar parallel zum Chefposten bei Mercedes die Führung des gesamten Konzerns übernimmt, droht der Konzernzentrale in Stuttgart-Möhringeneine Radikalkur. Dort soll nach Informationen aus Unternehmenskreisen jede dritte Stelle wegfallen. Noch arbeiten dort 3500 Beschäftigte. Auf dem 155 000 Quadratmeter großen Areal in Stuttgart-Möhringen sind neben der Führung des Konzerns Stabs- und Servicebereiche der Forschung sowie mehrere Dienstleistungsfunktionen untergebracht. Damit bestätigen sich offenbar Vermutungen, dass Zetsche Funktionen, die zwar auf Konzernebene koordiniert, aber innerhalb der einzelnen Marke ebenfalls bearbeitet werden, stärker auf die Markenebene zurückholen will. So würde Doppelarbeit vermieden werden, und die Verwaltung könnte verkleinert werden. 

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Der Mercedes Car Group hat Zetsche bereits eine Radikalkur verordnet. Allein in Deutschland sollen dort rund 8500 Stellen abgebaut werden. Da noch bis 2010 eine Jobgarantie gilt, kann das Unternehmen Mitarbeiter meist nur mit einer Abfindung dazu bewegen, zu gehen. Dafür muss das Unternehmen voraussichtlich fast eine Milliarde Euro aufbringen. Betroffen sind das Stammwerk in Sindelfingen, wo vor allem die S-, E- und C-Klasse vom Band laufen. Dort sollen zehn Prozent der Mitarbeiter ausscheiden. Im Werk in Bremen (C-Klasse) soll jeder fünfte Arbeitsplatz wegfallen, im Motorenwerk in Untertürkheim sind 1100 Stellen von der Streichung betroffen. „Unsere Kosten liegen in allen Teilen der Wertschöpfungskette deutlich über denen der besten Wettbewerber“, begründete Zetsche vor Kurzem den Jobabbau. Außerdem ächze Mercedes unter „Überkapazitäten von zehn Prozent“, die angesichts der Marktlage deutlich zu hoch seien. 

Die Ursache für die Schieflage bei Mercedes liegt vor allem in Problemen mit der E-Klasse, dem bisher größten Renditebringer. Die Verkäufe der E-Klasse brachen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um rund 35 Prozent ein. Schuld daran ist eine Qualitätskrise, hunderttausende Autos mussten in die Werkstätten gerufen werden. Die Qualitätsprobleme sind weit gehend behoben, der Imageschaden jedoch nicht. 

juergen.rees@wiwo.de, 

thomas katzensteiner 

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