Archiv: Reichlich belohnt

Gerling » Rolf Gerling beweist der Deutschen Bank, dass der Kölner Versicherungskonzern nicht wertlos ist. 

Es wird eine späte Genugtuung für Rolf Gerling sein, wenn er in der nächsten Woche den Kölner Versicherungskonzern seines Großvaters erfolgreich an den amerikanischen Finanzinvestor Cerberus verkaufen kann. Nach Informationen aus Finanzkreisen sind sich Gerling und Cerberus grundsätzlich in allen Punkten einig. Dem Vernehmen nach soll die New Yorker Fondsgesellschaft bereit sein, etwas mehr als eine Milliarde Euro für den Versicherungskonzern zu zahlen. Zusätzlich übernimmt Cerberus die Pensionslasten und Schulden. 

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Da es enge aufsichtsrechtliche Grenzen für die Verschuldung von Versicherern gibt, wird der Finanzinvestor die Darlehen für die Übernahme nicht wie sonst üblich dem Unternehmen aufbürden können, sondern offenbar im Wesentlichen selber übernehmen müssen. 

Mit dem Verkauf beweist Gründerenkel Rolf Gerling vor allem seinem langjährigen Mitgesellschafter, der Deutschen Bank, dass das Unternehmen deutlich mehr wert ist als die Banker vor gut zwei Jahren wahrhaben wollten. Im Mai 2003 gab die Deutsche Bank ihren Gerling-Anteil von 34,6 Prozent zum symbolischen Preis von einem Euro an Rolf Gerling ab – in dem Glauben, dass das Institut wertlos sei. Aktuell gehört Gerling zu 94 Prozent Rolf Gerling und zu sechs Prozent Joachim Theye , dem Aufsichtsratschef der Konzern-Holding. 

Der über 100 Jahre alte Versicherer war 2001/02 in eine existentielle Krise geraten, weil er sich bei der Expansion in die USA verspekuliert hatte. Eine Kapitalerhöhung durch seine Industrieversicherungskunden rettete das Traditionshaus damals vor dem Aus. Unter der Regie von Theye hat sich Gerling seitdem vom Rückversicherungs- und Kreditversicherungsgeschäft getrennt, sodass sich das Unternehmen heute im Wesentlichen auf das Lebens- und Industrieversicherungsgeschäft konzentriert. Um die Krise zu bewältigen hatte Rolf Gerling in den vergangenen Jahren über eine Kapitalerhöhung und verlorene Zuschüsse an die Rückversicherungstochter rund 386 Millionen Euro in den Konzern investiert. Dafür wird er jetzt mehr als reichlich belohnt. 

brigitte.haacke@wiwo.de 

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