Archiv: Reines Wunschdenken

Yoshimasa Ishii » Der oberste Verantwortliche für Europa in der Toyota-Zentrale in Japan bestreitet, ein Lexus-Werk in Deutschland zu planen. 

Die Spekulationen um ein deutsches Werk für Toyotas Luxusmarke Lexus reißen nicht ab. Nachdem vor wenigen Wochen BMW-Chef Helmut Panke die Diskussion anheizte, als er von Hinweisen auf den Aufbau einer Lexus-Produktion sprach, erscheinen fast täglich Berichte von Politikern und Wirtschaftsförderern, die Toyota in ihre Region locken wollen (siehe WirtschaftsWoche 31/2006). 

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Yoshimasa Ishii kann sich über die Aufregung nur wundern: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es reines Wunschdenken, dass wir ein Werk in Deutschland bauen könnten“, erklärte der in der Toyota-Zentrale in Japan für alle Operationen in Europa verantwortliche Manager der WirtschaftsWoche. Ihm sei vor allem nicht klar, was den scheidenden BMW-Chef zu seiner Vorhersage getrieben habe, die Entscheidung über ein Lexus-Werk in Deutschland stehe unmittelbar bevor: „Ich frage mich, woher er diese Informationen haben will und was ihn dazu veranlasst hat, über einen Wettbewerber Vorhersagen zu treffen, die bisher jeder Wahrheit entbehren.“ 

Ishii verweist auf Fakten: Angesichts der rund 50 000 in Europ verkauften Lexus-Fahrzeuge sei zurzeit eine Fabrik vor Ort für die bisher nur in Japan gebaute Marke nicht gerechtfertigt. Bisher habe man auch „keine Verhandlungen mit irgendeinem Standort“ geführt, ja „nicht einmal eine Erkundungsmission“ entsandt. „Erst wenn der Absatz über 100 000 Einheiten liegt, setzt bei uns der Denkprozess ein, und bis zu einer Entscheidung ist es auch dann noch ein langer Weg“, so der Manager. „Volumen ist derzeit nicht unser primäres Ziel, wir sind erst dabei, Lexus als respektable Premiummarke zu etablieren.“ Noch kenne der deutsche Kunde Lexus im Prinzip nicht, so Ishii, das Markenbewusstsein der Deutschen liege „erst bei drei Prozent“. Langfristig könne Deutschland aber als Werksstandort infrage kommen: „Lexus soll eine weltweite Premiummarke werden, und das können wir nicht erreichen, wenn wir nicht in Deutschland entsprechend wahrgenommen werden.“ Die Reputation, aus der „Heimat von Luxusautos“ zu kommen, könnte das globale Image verbessern helfen – „weit mehr, als das in anderen Ländern möglich wäre“. Ishii übersieht dabei nicht die „Nachteile Deutschlands“: „Hohe Kosten und vermutlich auch die Gewerkschaften“ seien „Negativfaktoren“. 

angela.koehler@wiwo.de I Tokio 

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