Reinigung mit Turboeffekt

Archiv: Reinigung mit Turboeffekt

Ein Dialysegerät von  Fresenius verbessert die Lebensqualität der Patienten und senkt Kosten. 

Sie wiegen ganze 150 Gramm. Doch sie erbringen die Leistung von Schwergewichtlern, rund um die Uhr: die Nieren. Tag für Tag fließen rund 1500 Liter Blut hindurch. Dabei filtern sie Giftstoffe aus dem Blut, regulieren den Stoffwechsel- und Wasser-haushalt sowie den Blutdruck. Wenn die Nieren durch Diabetes, Missbrauch von Medikamenten oder angeborene Erkrankungen so geschädigt sind, dass sie nicht mehr arbeiten, stirbt der Mensch innerhalb weniger Tage. 

Um das zu verhindern, wird das Blut der Patienten regelmäßig gewaschen. Bei der Dialyse übernimmt eine Maschine die Aufgabe des körpereigenen Klärwerks. Fresenius Medical Care in Bad Homburg hat jetzt eine Maschine entwickelt, die ihre Aufgabe noch weit besser erledigt als alle Vorgänger. Das Gerät vom Typ 5008 verbessert die Lebensqualität der Patienten und senkt die Betriebskosten. „Wir stärken mit der 5008-Serie unsere Position als weltweit führender Anbieter von Dialyseprodukten für chronisch Nierenkranke weiter“, sagt Emanuelle Gatti, Mitglied des Vorstandes bei Fresenius Medical Care. 

Anzeige

Nierenkranke müssen ihr Blut pro Woche dreimal reinigen lassen. Die Prozedur im Dialysezentrum dauert bis zu vier Stunden. Über einen Einstich am Unterarm des Patienten fließt das Blut über einen Schlauch in das Dialysegerät. Dort wird es über eine halbdurchlässige Membran geleitet. Auf der anderen Seite der Membran fließt hochreines Wasser. Weil die Konzentration der Giftstoffe und Blutsalze im Blut höher ist als im Wasser, wandern die gefährlichen Moleküle durch die Membran ins Wasser. Der Aufwand ist beträchtlich: Um die durchschnittlich sechs Liter menschliches Blut zu reinigen, braucht es 125 Liter Dialysierflüssigkeit. Das Besondere an Typ 5008: Es kombiniert zwei Reinigungsverfahren miteinander. Das Blut wird, nachdem es vorbehandelt ist, in einem zweiten Schritt von den verbliebenen Giftstoffen befreit. „Eine Art Reinigung mit Turboeffekt“, sagt Gail-Suzanne Brown, Leiterin der Fresenius-Forschungs- und -Entwicklungsabteilung. 

Der Effekt dieses Online-Hämodiafiltration genannten Verfahrens ist für die Patienten deutlich spürbar. „Sie fühlen sich einfach besser“, sagt Brown. „Das bestätigen die Erfahrungen der Ärzte, die bereits mit dem System arbeiten.“ Doch warum genau sich die Patienten besser fühlen wissen die Ärzte und Wissenschaftler noch nicht genau. „Höchstwahrscheinlich ist die höhere Reinigungswirkung dafür verantwortlich“, glaubt die Bioingenieurin Brown. 

Für die Patienten hat der Wohlfühleffekt auch handfeste gesundheitliche Auswirkungen. Je besser die Blutwäsche funktioniert, desto geringer sind die Nebenwirkungen. Nach vielen Jahren der Dialyse stellen sich Spätschäden wie Gefäßverkalkungen, Herzerkrankungen, Knochen- und Gelenkschäden ein, weil nicht alle Gifte – es gibt einige Dutzend verschiedene Moleküle – ausgewaschen werden. Die Doppelwäsche in Typ 5008 entfernt mehr Schadstoffe als jedes andere Modell. 

Die Zahl der Dialysepatienten wächst stetig. Derzeit gibt es weltweit etwa 1,4 Millionen, in Deutschland rund 60 000 Patienten, die regelmäßig zur Blutwäsche gehen. Fresenius rechnet damit, dass die Zahl der Patienten bis 2010 pro Jahr um sechs Prozent steigt, weil die Zahl älterer Menschen, die anfälliger sind für Nierenschäden, in den Industrieländern rapide zunimmt. 

Die Kosten für die lebensnotwendige Behandlung sind hoch: Die Dialysetherapie schlägt für jeden Patienten in Deutschland jährlich mit rund 35 000 Euro zu Buche. Dabei sind die Aufwendungen für Krankenhausaufenthalte, Medikamente und den Transport zum Dialysezentrum noch nicht eingerechnet. Damit gibt das Gesundheitssystem für jeden Dialysepatienten rund 20-mal mehr aus als für den Durchschnittspatienten. 

Deshalb hatten die Ingenieure von Fresenius nicht zuletzt auch die Kosten im Blick. Das neue Dialysegerät geht mit Wasser, Energie und dem Dialysekonzentrat so sparsam um, dass die Kosten um fast ein Drittel sinken. Damit der Patient während der Dialyse nicht friert oder ihm zu warm wird, weil das Blut nicht die als angenehm empfundene Körpertemperatur hat, ist in dem in Deutschland entwickelten und produzierten 5008-Gerät ein Wärmetauscher mit besonders hohem Wirkungsgrad eingebaut. Der arbeitet deutlich Energie sparender als ältere Geräte. Ein berührungsempfindlicher Bildschirm ist nur ein Beispiel dafür, dass die Fresenius-Ingenieure auch die Bedienung deutlicht vereinfacht haben. Das senkt nicht nur das Risiko von Fehlern bei der Blutwäsche, es spart auch Zeit, die das Personal für die Betreuung der Patienten verwenden können. Weil etliche Funktionen automatisiert sind, ist die 5008-Serie prinzipiell auch gut für die Dialyse zu Hause geeignet. Auch das senkt die Kosten, und es ist für die Patienten angenehmer, weil weniger zeitaufwendig. 

juergen.rees@wiwo.de 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%