Rettung für Atommeiler

Archiv: Rettung für Atommeiler

Utz Claassen » Wie der EnBW-Vorstandsvorsitzende verhindern will, dass er ein Atomkraftwerkabschalten muss. 

Trotz des politisch beschlossenen Atomausstiegs setzt Utz Claassen auf die Atomtechnik als „Übergang in die regenerative Energiewirtschaft“. Deshalb versucht der Chef des Energiekonzerns EnBW, sein Atomkraftwerk Neckarwestheim I über die Bundestagswahl 2009 zu retten – in der Hoffnung auf neue politische Mehrheiten. Laut Atomgesetz darf es nur noch bis Ende 2008 laufen. 

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Claassens Plan: Er will dem Konkurrenten RWE Rechte zur Erzeugung von Atomstrom abkaufen. Aus dem nie in Betrieb gegangenen Meiler Mülheim-Kärlich besitzt RWE Laufzeitrechte über rund 17 Betriebsjahre. „Die Strommengen sind ein Wirtschaftsgut, das wir auch an andere verkaufen können“, bestätigt eine RWE-Sprecherin. Claassen hofft, so eine Genehmigung des atomkritischen Bundesumweltministers Sigmar Gabriel auf längere Laufzeiten zu umgehen. Den Verkauf selbst sehen auch die Juristen bei RWE als unproblematisch an, nicht aber die Anrechnung auf den Atommeiler. Das Gesetz schreibt vor, auf welche Meiler Strommengen übertragen werden dürfen. Dazu gehören weder Neckarwestheim I noch der RWE-Meiler Biblis A, der laut Gesetz 2008 vom Netz muss. „Wir bereiten einen Antrag auf Laufzeitverlängerung vor“, heißt es deshalb bei RWE. 

Gute Chancen, einen alten Meiler über die Bundestagswahl zu retten, haben E.On und Vattenfall. Sie wollen die Reststrommenge ihres stillgelegten Atomkraftwerks Stade auf das Kraftwerk Brunsbüttel übertragen, was die Laufzeit um zehn Monate verlängern würde. Sonst wäre Anfang 2009 Schluss. 

daniel.delhaes@wiwo.de | Berlin 

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