Ringe von den Griechen

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S. J. Phillips in London ist die beste Adresse für feinsten Antikschmuck 

Geheimnisvoll funkeln die vier Diamantenknöpfe auf dem dunklen Samt. Jeder von ihnen ist anders, ein glitzerndes kleines Kunstwerk. 240 Jahre alt sind die Knöpfe, einst zierten sie einen Mantel der russischen Zarin Katharina der Großen. Die gebürtige Deutsche pflegte bis zu ihrem Tod im Jahr 1796 an ihrem Hof einen glanzvollen und ausschweifenden Lebensstil mit zahllosen Liebhabern. St. Petersburg sollte es an aristokratischer Prachtentfaltung mit Paris aufnehmen. Die Kronjuwelen der Herrscherin zeugen von diesem Anspruch – selbst die allerkleinsten. 

Heute werden die Knöpfe in London verwahrt. Nicht etwa in einem Museum, sondern bei S. J. Phillips in der New Bond Street, Englands führendem Händler für antiken Schmuck. Kenner – Aristokraten, Banker, Großindustrielle, Künstler und Kreative aus der Modeszene – behaupten sogar, es sei die erste Adresse in der Welt. 

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Nummer 139 mit seiner vergitterten Ladenfront ist etwas von der Straße zurückgesetzt, wer nicht gezielt nach dem Eingang sucht, kann ihn leicht verpassen. Die Tür ist Tag und Nacht versperrt und wird von einem bulligen Türsteher bewacht. Schmuck, Gold- und Silberwaren, Schatullen und kostbare Gefäße befinden sich in gläsernen Vitrinen. Die teuersten Stücke, unter ihnen ein Diamantcollier aus dem 19. Jahrhundert für umgerechnet rund 2,7 Millionen Euro, werden in einem riesigen grauen Safe in der Ladenmitte aufbewahrt. 

Nicolas Norton ist der Urenkel von Solomon Joel Phillips, der das Geschäft im Jahr 1869 gründete. „Ich weiß eigentlich gar nicht so viel über ihn. Er war ein Schmuckhändler, sein Vater und Großvater waren Silberschmiede, unsere anderen Vorfahren einfache Uhrmacher in Wales“, so der Urenkel mit einem Hauch britischen Understatement. 

Seit 1966 befindet sich S. J. Phillips nun in der feinen New Bond Street. Kunden, unter ihnen gelegentlich ein Museum, finden hier bis zu 2000 Jahre alte Einzelstücke. Der größte Teil des Angebots stammt aus dem frühen 16. bis Anfang 20. Jahrhundert. 

„Wir haben Ringe aus der Zeit der Griechen und der Römer“, sagt Nicolas Norton, „und Schmuck aus der Renaissance und dem Mittelalter natürlich.“ Den Einwand, dass solcherlei vielleicht doch in ein Museum gehöre, lässt er nicht gelten: „Diese Stücke wurden angefertigt, damit sie von Menschen getragen werden.“ 

S. J. Phillips ist ein Familienbetrieb. Aufmerksame Kunden können Martin Norton, den 93-jährigen Enkel des Firmengründers, noch heute im hinteren Teil des Verkaufsraums entdecken. Gemeinsam mit seinem Sohn Jonathan kauft er in New York, Paris, Genf oder Monaco neue Ware ein. Das Londoner Geschäft wird von Nicolas, dem ältesten Sohn des Patriarchen und von seinem Neffen Francis geführt. 

Die Kunden kommen aus aller Welt, vor allem aber aus Nordamerika. S. J. Phillips schmückt sich mit einem königlichen Gütesiegel –, die inzwischen verstorbene Queen Mum kaufte dort ein. Ob die Royals heute noch kommen? „Es wäre schlechter Stil, darüber zu reden“, wehrt Norton ab, „wir geben die Namen unserer Kunden nicht preis.“ 

Gediegen, verschwiegen, altmodisch und very british geht es im Laden zu. Junge Kunden sind rar. „Abgesehen von Verlobungsringen kaufen die unter Dreißigjährigen kaum hier ein“, so Norton. Zwanzigjährige, die für teuren Schmuck – und das heißt bei S. J. Phillips 100 000 Pfund (150 000 Euro) und darüber – hinlegen können, gibt es eben kaum. Immerhin hat man sich eine Web-Site zugelegt. Groß ist die Auswahl an Armbändern, Ohrringen und anderen Schmuckstücken unter 1000 Pfund (1500 Euro) aber nicht. Eine filigrane Schmetterlingsbrosche aus dem Jahr 1890 gefällig? Die kostet 1350 Euro. 

Kürzlich tauchte jemand in Shorts und Flip-Flops in dem Laden auf: „Ich mag das zwar nicht, aber Geschäft ist Geschäft“. Kleidung, Akzent und Auftreten sind selbst in England nicht mehr Garant für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht. 

Gelegentlich passiert es, dass jemand mit einem alten Erbstück hereinmarschiert. Die meisten haben ihre Kleinodien schon vorher von den Auktionshäusern Christie’s oder Sotheby’s schätzen lassen. Auch die Knöpfe von Katharina der Großen wurden S. J. Phillips vor rund einem Jahr von einer Privatperson angeboten. Anfangs waren es sogar sechs. Sie gehörten zu einem zwölfteiligen Set. Die restlichen vier sind für eine halbe Million Pfund (750 000 Euro) noch zu haben. 

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