Rückschläge befürchtet

Archiv: Rückschläge befürchtet

ThyssenKrupp » Der Düsseldorfer Konzern will sich im Rüstungsgeschäft stärker von der französischen Konkurrenz absetzen. 

Der Wettbewerb zwischen deutschen und französischen Unternehmen im internationalen Rüstungsgeschäft verschärft sich. Um die Übernahme des Bremer Elektronikherstellers Atlas Elektronik streitet sich der Düsseldorfer ThyssenKrupp-Konzern mit dem französischen Elektronikriesen Thales. In Indien buhlten ThyssenKrupp und die französische Staatswerft Direction des Constructions Navales (DCN) um einen 2,4 Milliarden Dollar schweren Auftrag über den Bau von sechs U-Booten. Im Herbst 2006 will ThyssenKrupp erneut antreten, wenn die indische Marine weitere sechs U-Boote bestellt. Und damit ist es nicht getan. Später will Indien noch einmal zwölf U-Boote ordern. 

Anzeige

ThyssenKrupp-Vorstandschef Ekkehard Schulz setzt alles daran, den Zuschlag zunächst für die zweite Tranche zu bekommen. Denn er will das Rüstungsgeschäft vorantreiben. Den Bieterkampf um die ersten sechs indischen U-Boote hat ThyssenKrupp verloren – unter dubiosen Umständen. DCN-Manager hatten die Inder auf angebliche Korruption bei der Kieler Werft HDW aufmerksam gemacht, die seit Januar zu ThyssenKrupp gehört. 

Der vermeintliche Vorfall liegt allerdings lange zurück. Vor 18 Jahren hatte eine indische Richterin HDW zwar von jedem Verdacht freigesprochen. Doch der formelle Freispruch ließ auf sich warten. „In den 18 Jahren wurde der Gerichtstermin insgesamt 25-mal in letzter Minute verschoben“, heißt es aus dem Umfeld von Ferrostaal, dem zwischengeschalteten ThyssenKrupp-Händler. Als im März dieses Jahres ThyssenKrupp sein Angebot für die ersten sechs U-Boote abgeben durfte, weigerte sich der indische Marinechef Arun Prakash, einen Termin dafür anzusetzen. In der Zwischenzeit machten die Franzosen den Kauf ihrer „Scorpene“-Atom-U-Boote klar. In diesen Tagen muss sich ThyssenKrupp-Chef Schulz erst einmal um den geplanten Kauf des Atlas-Elektronik-Unternehmens kümmern, das der britische Rüstungskonzern BAE Systems losschlagen will. Um seine Chancen zu erhöhen, verbündete sich Schulz jetzt mit dem EADS-Konzern, der je zu einem Drittel DaimlerChrysler, der Lagardère-Gruppe und dem französischen Staat gehört. Schulz hofft in dieser Konstellation, Thales-Chef Denis Ranque in die Schranken zu verweisen, der seinen Anspruch auf die deutsche Elektronikperle noch nicht aufgegeben hat. Sollte er zum Zuge kommen, befürchten ThyssenKrupp-Manager weitere Rückschläge für das U-Boot-Programm. Am 26. September beginnt für Atlas Elektronik die letzte Phase der vertieften Prüfung der Bilanz („Due Diligence“). Schon jetzt taxiert ThyssenKrupp den Wert des Sonaranbieters auf 200 Millionen Euro. Erhält das deutsch-französische Anbieterkonsortium den Zuschlag, will ThyssenKrupp 60 Prozent behalten, 40 Prozent sollen an EADS gehen. Atlas ist für Schulz die Schlüsseltechnologie der U-Boote und Fregatten, die HDW baut. Ohne die Spitzentechnologie der Atlas-Gruppe, von der HDW schon jetzt so gut wie alle Elektroniksysteme kauft, ist das Waffenprogramm der ThyssenKrupp-Werften auf den Weltmärkten längst nicht so wertvoll. Wenn 2006 in Indien der neue U-Boot-Auftrag ausgeschrieben wird, „wollen wir mit eigener Schiffselektronik einiges besser machen“, sagt ein Manager aus dem Umfeld von Ferrostaal. Die U-Boote würden zwar in Mumbai gebaut, als Zulieferer würde HDW aber mit dem Milliardenauftrag exzellent ausgelastet sein. 

andreas.wildhagen@wiwo.de, 

gerhard bläske | Paris 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%