Schärfer als im Kostümchen

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Hollywoods ultimatives It-Girl über Männer, starke, sexy Frauen – und ein gutes Guinness 

Die derzeit begehrteste Schauspielerin der Welt konzentriert sich gerade darauf, mit einem Schwert Kollegen Til Schweiger zu filetieren. Wer sieht, mit welcher Verve und welch wüstem Geschrei sich Keira Knightley ihrer zierlichen Statur zum Trotz in die Schlacht stürzt, begreift, warum die 19-jährige Britin zu Hollywoods ultimativem It-Girl aufgestiegen ist. Nach „Kick It Like Beckham“ wurde sie mit der Hauptrolle in „Fluch der Karibik“ neben Johnny Depp schlagartig weltberühmt. Gerade unterschrieb der Star für zwei Fortsetzungen. Aktuell ist sie als kämpferische Guinevere in „King Arthur“ im Kino zu sehen. fivetonine sprach mit Knightley in Los Angeles. 

Stimmt es, dass Sie Ihre Mutter schon als Dreijährige um die Vermittlung eines Schauspielagenten baten? 

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Ja, aber sie schüttelte nur den Kopf und ließ mich zappeln, bis ich ein junges Mädchen war. Ich weiß, ich klinge wie ein schreckliches Balg, das die Kindheit mit Castings vergeudete und reif für den Therapeuten ist. Doch wenn Sie bedenken, dass mein Vater Drehbücher schreibt und meine Mutter Schauspielerin ist, ich ihre Berufe folglich mit der Muttermilch einsog, liegt meiner Leidenschaft wohl eine gewisse Zwangsläufigkeit zu Grunde. Ich kann mich gar nicht erinnern, je etwas anderes gewollt zu haben. Ich genieße lieber das unverschämte Glück, tatsächlich vor der Kamera gelandet zu sein. 

Sie haben nie eine Schauspielschule besucht – ist Ihr Erfolg allein Ihrem Talent zuzuschreiben? 

Fragen Sie mich etwas Leichteres! Als ich zum Dreh von „Fluch der Karibik“ flog, hatte ich vorsorglich nur für eine Woche gepackt, weil ich sicher war, als Dilettantin enttarnt und umgehend gefeuert zu werden. Bisher ist mir diese Schmach erspart geblieben und ich bin zu beschäftigt, um das Geschehene zu analysieren. Ich weiß nur, dass Schauspielunterricht nicht sehr hoch auf meiner to-do-Liste steht, da ich instinktiv offenbar besser funktioniere. Als ich kürzlich mal versuchte, mich als Method-actor à la Robert De Niro auszubilden, scheiterte ich kläglich. Um für eine Szene des Dramas „The Jacket“ furchtbar übermüdet auszusehen, wollte ich die Nacht davor durchmachen. Doch vor lauter Konzentration aufs Wachbleiben schlummerte ich sofort ein. 

Aber für Ihre Rolle in „King Arthur“ mussten Sie sich doch einem monatelangen harten physischen Regiment unterwerfen!Klar, aber hätte mich kein grimmiger Trainer angeschrien, wäre ich weiß Gott nicht in der Lage gewesen, meine Kleidergröße mit purem Muskelaufbau um eine Nummer zu erweitern. Rückblickend gewiss eine gute Erfahrung. Zum einen ahnt man als Normalsterblicher ja gar nicht, wie der eigene Körper mit etwas Disziplin in ein filigran funktionierendes Instrument verwandelt werden kann. Zum anderen hätte ich mich als flachbrüstiger Hering lächerlich gemacht. Die Guinevere aus unserem „King Arthur“ ist nicht das weichgespülte Fräulein aus der bekannten Sage, sondern eine keltische Kriegerin. Der Film spielt in der matriarchalischen Gesellschaft des 4. Jahrhunderts, und ich fand es persönlich sehr beruhigend zu erfahren, dass es in der Menschheitsgeschichte auch schon mal normal war, dass wir den Männern in den Hintern treten. In einer Sequenz sind wir sechs Weiber, die sich mit vereinten Kräften auf einen bösen, behaarten Krieger stürzen. Wann sieht man das schon mal, außer in Pornos? 

Woher kommen die vielen Filme mit toughen Frauen plötzlich? 

Ich vermute, dass das zumeist junge Publikum die gewohnte Passivität von Frauen im Kino nicht mehr ertragen konnte, weil wir im wahren Leben schließlich das stärkere Geschlecht sind. An dieser Erkenntnis führt einfach kein Weg mehr vorbei. Hollywood reflektiert nur diesen Wertewandel, indem es starke Schauspielerinnen kultiviert und komplexe Rollen schreiben lässt. Aber zugegeben – dass wir im knallengen Kampfdress schärfer aussehen als im Kostümchen, ist auch ein Erfolgskriterium. 

Wie verdauen Sie Ihren explosionsartigen Ruhm seit „Fluch der Karibik“? 

Ich muss überhaupt nichts verdauen, weil er mich kaum tangiert. Ich verbringe mein Leben seit fünf Jahren entweder auf Filmsets oder bei der Rollenvorbereitung. So komme ich dummerweise gar nicht in den Genuss, von männlichen Groupies bestürmt zu werden. Aber im Ernst: Popularität ist völlig abstrakt, weil ich auf dem roten Teppich schließlich nicht mein Zelt aufgeschlagen habe, sondern alle paar Monate bei einer Premiere kurz drüberlaufe; stets in der Hoffnung, nicht in meinen Stilettos einzuknicken. 

Die zahllosen Medienberichte und die Paparazzi lassen Sie völlig kalt? 

Das nun auch wieder nicht. Obwohl es mich grundsätzlich nicht kratzt, heimlich von einem armseligen Boulevard-Fotografen dabei abgelichtet zu werden, wie ich mit verquollenen Augen aus der Tür komme, muss ich mich doch erst daran gewöhnen, zunehmend beobachtet zu werden. Das ist eine unglückliche Entwicklung, weil es als Schauspielerin zu meinem Rüstzeug gehört, andere Menschen beobachten zu können. Was die Medienberichte angeht, halte ich es mit einem Satz meines großen Vorbildes Katharine Hepburn: Sie können schreiben, was immer Sie wollen, so lange es nicht die Wahrheit ist. 

Welches Gerücht über Sie hat Ihnen bisher am besten gefallen?Es amüsiert mich jedes Mal sehr, wenn Millionengagen kolportiert werden. Schön wär’s! Dabei rege ich mich noch immer über die Preise der Drinks in Hotel-Minibars auf und habe gerade erst in London meine erste, eigene Wohnung gemietet, die im Übrigen so klein wie renovierungsbedürftig ist. 

Ein Umzug nach Hollywood kam nicht infrage? 

Nein, ich wäre dort sofort bankrott, weil es in Los Angeles viel bessere und teurere Schuhgeschäfte gibt als in London. Nachteilig ist außerdem, dass man in Kalifornien erst mit 21 Jahren legal einen Drink zu sich nehmen kann. Ich bin zwar keine Alkoholikerin, aber spätestens seit ich in Dublin bei „King Arthur“-Drehpausen den Geschmack eines guten Guinness zu schätzen lernte, möchte ich mein naturgegebenes Recht auf sinnloses Herumlallen bei Partys bitte schön ausnutzen. 

Wollen Sie wie viele Ihrer Kollegen auch über die Schauspielerei hinaus aktiv werden? 

Nein, mein Fünf-Jahres-Plan sieht nur vor, dass ich jeden vernünftigen Job annehmen werde, den ich bekommen kann. Urlauben geht auch noch, wenn die Leute meines Gesichts überdrüssig werden, ich Kinder habe und hoffentlich einen Mann, der mir am Strand den besten Liegestuhl sichert. 

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