Schlacht ums Material

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Boeing » Der Dreamliner 787 ist der heimliche Star der größten Luftfahrtmesse der Welt in Paris. Erzrivale Airbus hat dem sparsamen Flieger kaum etwas entgegenzusetzen. 

Der Airbus 380 präsentiert sich auf der weltweit größten Luftfahrtmesse in Paris-Le-Bourget als unangefochtener Publikumsmagnet. Der Super-Flieger steigt als Symbol der Technologieführerschaft der Europäer jeden Tag in den Himmel auf. Doch unter den Experten ist der Dreamliner 787 der Star, das neue Flugzeug des amerikanischen Airbus-Konkurrenten Boeing. Auf Grund seiner neuartigen Bauweise ist es sparsamer als vergleichbare Modelle. Entsprechend stark ist das Interesse der Fluggesellschaften. 

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21 Airlines bestellten in Windeseile 266 Maschinen, mit weiteren 27 Kunden verhandelt Boeing über noch einmal 427 Flieger. James Bell, der Interimschef von Boeing, hat den Kampf um die Lufthoheit nach etlichen Turbulenzen (siehe WirtschaftsWoche 24/2005) wieder aufgenommen. Mit dem A350 will Airbus dagegenhalten. Der Nachteil: Dieser Flieger ist nur eine aufgepeppte Version des bisherigen A330 und kein grundsätzlich neues Modell wie Boeings Dreamliner. Bisher wurden vom A350 erst 70 Exemplare geordert. Dieser enorme Rückstand trifft Airbus an einer empfindlichen Stelle, denn die Boeing 787 ist so etwas wie die Golf-Klasse der Luftfahrt: In diesem Segment locken hohe Stückzahlen. Boeing rechnet beispielsweise in den nächsten Jahren mit einem Bedarf von rund 3500 Maschinen dieser Kategorie im Wert von 400 Milliarden Dollar. Ein Markt, der weitaus größer ist als der, den Airbus mit dem Riesenflieger A380 gerade bestückt. 

Die Begeisterung der Flug-gesellschaften für die 787 ist leicht erklärt: Sie erhalten für rund 120 Millionen Dollar ein Flugzeug, das schneller fliegt und wesentlich weniger Unterhalt kostet als das der Konkurrenz. Der 787 soll 20 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als eine aktuelle A330 mit rund 250 Sitzen. Dieses ehrgeizige Ziel erreichen die Boeing-Ingenieure nur durch den Einsatz von Kohlenfaserverbundstoffen statt des gängigen Aluminiums. „Damit lassen sich bei vergleichbarer Festigkeit rund 30 Prozent Gewicht sparen“, schwärmt Alan Mulally , Chef der Boeing-Zivilluftfahrtsparte und Vorkämpfer für die 787. Rund 50 Prozent des Fliegers, etwa Rumpf und Tragflächen, sollen deshalb aus dem hochfesten Material bestehen, Airbus verbaut bisher höchstens 20 Prozent. Neben den hohen Spritkosten ächzen die Fluggesellschaften auch unter den immensen Aufwendungen für die vorgeschriebenen Inspektionen. Gerade hier verspricht die 787 enorme Erleichterung: Flugzeuge aus Aluminium müssen nach sechs Jahren zur teuren Korrosionskontrolle in den Hangar. Doch Kohlefasern sind belastbarer, sodass der Dreamliner, verspricht Boeing, erst nach zwölf Jahren zur Generalinspektion muss. „Technisch ist der umfangreiche Einsatz von Kohlefaser erst heute möglich, weil die Materialkosten endlich mit Aluminium wettbewerbsfähig sind“, sagt Mulally. Allerdings sehen Technik-Experten den ehrgeizigen Zeitplan – die ersten Maschinen sollen bereits 2008 starten – noch kritisch. „Ungelöst ist die Fertigung großer Werkstücke, es gibt noch keine automatisierte Produktion“, sagt der Fachmann eines Zulieferers. Doch selbst wenn sich die Auslieferung der Boeing 787 um ein Jahr verzögert, ist sie noch früher auf dem Markt als der Airbus 350. 

juergen.rees@wiwo.de 

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