Archiv: Schlag ins Gesicht

A.T. Kearney » EDS-Chef Michael Jordan hofft, seine Beratungstochter A.T. Kearney für 400 Millionen Dollar an die Monitor Group zu verkaufen. Der Preis dürfte illusorisch sein. 

Für die Partner der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney und ihren Weltchef Henner Klein war es ein Schlag ins Gesicht: Aus der Zeitung mussten sie erfahren, dass der Chef ihrer Muttergesellschaft EDS, Michael Jordan, die Verhandlungen mit ihnen als gescheitert betrachtet. Jordan will die Beratungsgesellschaft abstoßen und hatte sie zunächst ihren Partnern angeboten, spricht nun aber mit einem anderen Interessenten. Doch damit hat er sich offenbar selbst überlistet. 

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Die US-Strategieberatung Monitor Group unter ihren Gründern Michael Porter und Mark Fuller soll Jordan rund 400 Millionen Dollar für A.T. Kearney geboten haben. Das ist deutlich mehr, als die A.T. Kearney-Partner zahlen wollten: Sie hatten EDS nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen ein Paket angeboten, das sich insgesamt auf weniger als 250 Millionen Dollar summiert. A.T. Kearney machte im vergangenen Jahr bei etwas mehr als 800 Millionen Dollar Umsatz einen Verlust von rund zehn Millionen Dollar. 

Ob EDS-Chef Jordan mit seiner Harke erfolgreich sein wird, bezweifeln Experten. „Eine Beratung kann man nicht kaufen“, sagt Dietmar Fink, Experte für Unternehmensberatung und Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Managementforschung in Bonn. „Der eigentliche Wert von Beratungen sind die Menschen und die Marke.“ Gegen den Willen der A.T. Kearney-Partner kann EDS die Truppe nicht losschlagen. Sonst wandern die besten Leute zum Konkurrenten ab und die Gesellschaft verliert an Wert. 

Doch die A.T. Kearney-Partner sind nicht grundsätzlich gegen die Monitor Group. Sie stehen einem Zusammenschluss mit ihr durchaus aufgeschlossen gegenüber. Vergangenes Wochenende saßen die Parteien erstmals zusammen und schnell war klar: Monitor und A.T. Kearney ergänzen sich bestens. A.T. Kearney ist klassisch nach Industriebranchen aufgebaut und punktet mit Praxisnähe und Umsetzungsstärke. Die größte und auch nachhaltig profitabelste Gruppe bei A.T. Kearney sind die Berater um Dietrich Neumann in der Sparte Zentraleuropa. Monitor dagegen hat sich als reine Strategieberatung vor allem in den USA einen Namen gemacht. Wichtig für die A.T. Kearney-Partner: Auch ihre Marke bliebe bei einem Zusammenschluss erhalten. 

Der angeregte Austausch zwischen den Monitor-Partnern und den A.T. Kearney-Partnern kann EDS-Chef Jordan nicht recht sein. Nichts fällt den A.T. Kearney-Leuten leichter, als den Monitor-Kollegen klar zu machen, warum sie mit ihrem ersten Gebot von 400 Millionen Dollar zu hoch lagen. Schließlich müssten auch die A.T. Kearney-Partner bei einem Zusammenschluss mit Monitor finanziell am Rückkauf ihres Unternehmens beteiligt werden, da sie nur so zu halten wären. Und da andere Interessenten nicht in Sicht sind, ist Jordans Verhandlungsposition denkbar schlecht. Hinzu kommt, dass der EDS-Chef die ungeliebte Beratungstochter nach Informationen aus Unternehmenskreisen noch in diesem Jahr losschlagen möchte, am besten im dritten Quartal. Da bleibt wenig Spielraum für große Feilscherei. Deshalb sind die A.T. Kearney-Partner nach der jahrelangen Leidensphase unter EDS derzeit wieder vorsichtig optimistisch: Ohne die lästige Mutter EDS im Nacken wollen sie A.T. Kearney schnell wieder zu einem zweistelligen Umsatzwachstum führen. Und in der Schublade liegt der Plan zur Kostensenkung, mit dem sie die Gesellschaft im ersten Jahr wieder profitabel machen wollen. 

brigitte.haacke@wiwo.dejulia leendertse 

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