Schritt für Schritt öffnen

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Bildung » Im südchinesischen Shantou findet derzeit einer der interessantesten gesellschaftlichen Feldversuche des Landes statt. Er könnte zu einem Kreativitätssprung in China führen. 

Bei einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden hat ein Städtchen wie Shantou mit gerade mal 1,2 Millionen Einwohnern eigentlich nicht die richtige Dimension für einen Feldversuch, der einmal das ganze Riesenreich verändern könnte. Dennoch soll Shantou in der südlichen Provinz Guangdong unweit von Hongkong, schon von Chinas Reformpatriarch Deng Xiaoping Anfang der Achtzigerjahre zu einer von vier Sonderwirtschaftszonen erhoben, genau dafür herhalten: Es beherbergt eine der ersten private Universitäten des Landes, die zudem auch noch nach westlichen Lehrmethoden arbeitet. 8000 Studenten lernen an der Shantou-Universität mithilfe von Gastprofessoren und -dozenten von der kalifornischen Universität Berkeley erstmals ganz anders als sonst in China: kein hergebrachter Frontalunterricht und Auswendiglernen, sondern selbstständiges Lernen und Erarbeiten von Lösungen und mehr Kreativität. Hier sieht die chinesische Regierung offenbar großen Nachholbedarf. In einer aktuellen Umfrage der Economist Intelligence Unit beispielsweise klagen sechs von zehn Managern in China über einen „Mangel an Innovationskraft und Kreativität“ ihrer Mitarbeiter, ein Resultat des rigiden Bildungssystems, das „noch immer auf Auswendiglernen setzt“, heißt es in der Studie. Die Idee zu der privaten Universität hatte der Hongkonger Geschäftsmann und Milliardär Li Ka-shing schon Anfang der Achtzigerjahre. Er wollte damals, dass junge Leute aus Hongkong, Macau und Taiwan auf dem Festland studieren, um die wirtschaftlichen Beziehungen zur Volksrepublik zu verbessern. Der damalige Parteichef Deng erkannte sofort die Chancen des Bildungsprojekts: „Die Shantou-Universität sollte Schritt für Schritt gegenüber dem Ausland geöffnet werden, damit sie später eine der Schlüsselhochschulen unseres Landes werden kann“, sagte Deng. Der schlaue Reformer dachte schon damals bei Öffnung nicht nur an Geografie, sondern vor allem auch an die Entwicklung von Know-how. 

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