Schrumpfende Blätter

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Financial Times/Wall Street Journal » Die beiden Wirtschaftsblätter stecken in der Krise. Jetzt wird brutal gespart. 

An der Stelle wollte es David Lennon doch etwas genauer wissen. Mit welchem Recht, fragte der Kleinaktionär von Pearson und Ex-Redakteur der „Financial Times“, die zu der britischen Verlagsgruppe gehört, die versammelte Verlagsspitze, kassiere Unternehmenschefin Marjorie Scardino für das vergangene Geschäftsjahr zu ihrem Gehalt noch einen Bonus von 831 000 Pfund, wo doch Umsätze und Gewinne deutlich geschrumpft seien. Die Antwort fiel für Lennon und die anderen Aktionäre nicht befriedigend aus. Immer mehr von ihnen finden inzwischen, Pearson solle das defizitäre Wirtschaftsblatt „Financial Times“ verkaufen. Investmentfonds drängen schon länger darauf. Doch Scardino weigert sich bisher standhaft, dem Druck nachzugeben („nur über meine Leiche“) und hat stattdessen ein 110 Millionen Pfund schweres Sparprogramm aufgelegt, an dessen Erfolg Beobachter zweifeln. Schon werden Käufer für die „FT“ gehandelt, darunter ausgerechnet ihr US-Konkurrent, das „Wall Street Journal (WSJ)“, das jedoch ebenfalls seit Jahren unter sinkenden Anzeigenerlösen leidet. Peter Kann, CEO des „WSJ“-Mutterkonzerns Dow Jones & Company, musste für das jüngste Quartal eine Halbierung des Gewinns auf ganze acht Millionen Dollar bekannt geben. 

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Wenige Tage darauf verkündete Dow Jones, dass die Asien- und die Europa-Ausgabe des „WSJ“ von Oktober an im billigeren Tabloid-Format erscheinen werden. Insgesamt sollen so von 2006 an 17 Millionen Dollar pro Jahr eingespart werden. Im vergangenen Oktober hatte Dow Jones aus Kostengründen schon das renommierte Wochenmagazin „Far Eastern Economic Review“ auf monatliches Erscheinen umgestellt und die Redaktion praktisch aufgelöst. Das Magazin erscheint seitdem als Kompendium von mehr oder weniger akademischen Fremdbeiträgen. Wie Scardino steht auch das Dow-Jones-Management stark in der Kritik. Die Dow-Jones-Aktie verlor in den vergangenen fünf Jahren die Hälfte ihres Wertes. Der Dow-Jones-Index gab im gleichen Zeitraum nur rund vier Prozent nach. 

peter.steinkirchner@wiwo.de 

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