Schrumpfkur in Rüdesheim

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Diageo » Unter dem Druck der geplanten Fusion zwischen den Rivalen Pernod Ricard und Allied Domecq baut der Weltmarktführer den Konzern um. 

Mit der Gelassenheit des Whisky-Genießers blickte Paul Walsh, Chef des weltgrößten Schnapsherstellers Diageo, noch vor Jahresfrist auf die Konkurrenz: Knapp doppeltso viel Umsatz wie die beiden schärfsten Verfolger zusammen, eine höhere Marktkapitalisierung als die vier größten börsennotierten Schnapshersteller gemeinsam und mit Smirnoff Ice die Nummer eins im boomenden Markt für alkoholische Mixgetränke, den Alcopops. Neun der 20 größten Schnapsmarken der Welt (Johnnie Walker, Baileys, Smirnoff, J&B, Captain Morgan, Gordon’s Gin) standen auf der Getränkekarte des Spirituosen-, Wein- und Bierimperiums am Londoner Henrietta Place, gleich um die Ecke der Oxford Street. Für den hemdsärmeligen Briten, der seit 2000 an der Diageo-Spitze ist, war die Schnaps-welt in Ordnung. 

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Doch die jüngsten Entwicklungen treiben den 49-Jährigen um. Die Diskussion um die Alcopops, die in vielen europäischen Ländern verbannt, wenigstens aber mit saftigen Steuern belegt wurden, belasten den Diageo-Umsatz. Zudem wird das lukrative Geschäft mit hochprozentigen Spirituosen immer schwieriger. Übernahmemöglichkeiten gibt es für den Weltmarktführer kaum noch. Fast immer muss er mit dem Veto der Kartellbehörden rechnen. 

Nicht dagegen die Konkurrenz. In der vergangenen Woche kündigten Pernod Ricard und Allied Domecq (Ballantine’s, Beefeater), Diageos schärfste Verfolger, ihre Fusion unter Beteiligung des US-Mischkonzerns Fortune Brands an. In einer Phase, in der Walsh seinen Konzern umbaut. Die Schnapswelt der Briten, früher in Schlüssel-, Kern- und Aufbaumärkte unterteilt, soll sich künftig strikt nach Regionen ausrichten. Mit gravierenden Folgen für die deutsche Niederlassung in Rüdesheim: Die geringe Bedeutung des Deutschlandgeschäfts sowie der Einbruch von Smirnoff Ice durch die Alcopop-Steuer, spornte die Diageo-Manager zu einem besonders harten Sparkurs an. Von den rund 160 Mitarbeitern bleiben nur 80 Außendienstler. Finanzen, Einkauf, IT sowie der Kundenservice gehen nach Budapest. Uwe Schneider wollte den Kahlschlag offenbar nicht akzeptieren und schied als Deutschland-Chef aus. Den Job übernahm Ulrich Melzer , vor zwei Monaten noch Türkei-Chef von Diageo. 

m.brueck@wiwo.de 

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