Segen für die Konzernkasse

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Klaus Jacobs » Der Hauptaktionär des weltgrößten Arbeitskräfteverleihers Adecco erwirbt mit dem Konkurrenten DIS zugleich den führenden Geldeintreiber der Zeitarbeitsbranche. 

„Ein schöner Tag“, murmelte Klaus Jacobs zweimal, bevor er am Montagnachmittag im Raum Charles Lindbergh des Düsseldorfer ArabellaSheraton Airport Hotels das Wort ergriff. Den tiefen Grund für die große Freude verriet der 69-jährige Hauptaktionär des weltgrößten Arbeitskräfteverleihers Adecco jedoch erst nach seiner Ansprache – in vertraulicher Runde außerhalb des Konferenzsaals: Wenn der 17,2 Milliarden Euro Umsatz schwere Adecco-Konzern den 50-mal kleineren deutschen Konkurrenten DIS schlucke, werde dies die Kassenlage von Adecco spürbar verbessern. Denn DIS habe „wie kein Unternehmen der Zeitarbeitsbranche die Gehaltszahlungen an die verliehenen Mitarbeiter mit den eingehenden Zahlungen der Entleihfirmen synchronisiert“. Übertragen auf Adecco würde dies bedeuten, dass die Zeit von der Gehaltsüberweisung bis zum Zahlungseingang um bis zu 30 Tage verkürzt werden könnte. „Theoretisch“, so Jacobs, „könnte dadurch bei Adecco bei einer Gehaltssumme für Leiharbeiter von 50 Millionen Euro pro Tag die Liquidität um 1,5 Milliarden Euro gesteigert werden.“ 

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Der erhoffte Geldregen relativiert die stolze Summe von 636 Millionen Euro, die Adecco voraussichtlich für die vollständige Übernahme des fünftgrößten Anbieters auf dem stark zersplitterten deutschen Zeitarbeitsmarkt bezahlen muss. Offiziell rechtfertigt Jacobs den Preis mit „drei Trümpfen“: Erstens gilt DIS als der Mercedes der Branche und konzentiert sich nicht wie Adecco auf das margenschwache Massengeschäft, sondern auf den Verleih teurer Fachkräfte. Zweitens rückt Adecco durch DIS näher an den Marktführer in Deutschland heran, den niederländischen Randstad-Konzern. Der hatte am Dienstag die Übernahme von Bindan angekündigt, der achtgrößten deutschen Zeitarbeitsfirma. Und drittens holt Jacobs mit dem DIS-Vorstandsvorsitzenden Dieter Scheiff als künftigem Chef und dessen Finanzkollegen Dominik de Daniel zwei Branchenstars an die Adecco-Spitze, die den DIS-Aktienkurs in zwei Jahren fast verdreifachten. 

Von alledem wird aber nicht nur die Adecco-Konzernkasse profitieren. Milliardär Jacobs, der Nachfahr der gleichnamigen Bremer Kaffeeröster, dem Adecco zu knapp 30 Prozent gehört, macht auch seinen Schnitt: Der Wert seines Adecco-Aktienpakets wuchs von Montag- bis Dienstagabend um rund 100 Millionen Euro. 

reinhold.boehmer@wiwo.de 

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