Archiv: Signal an Europa

China » Um einen Handelsstreit mit der EU und den USA zu vermeiden, erhebt China Exportzölle. 

Chinas Handelsminister Bo Xilai sorgt sich um Chinas Image in der Welt. Nachdem Anfang des Jahres weltweit die Quoten im internationalen Textilhandel abgeschafft wurden, schnellten die Einfuhren chinesischer Produkte in die USA und nach Europa in die Höhe. Seither wächst dort die Furcht, China könne den Weltmarkt mit Billigprodukten überschwemmen und die Textilindustrien anderer Länder vernichten. Deshalb will Minister Bo künftig von sich aus höhere Exporttarife erheben. 

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Nach Angaben des Verbandes der chinesischen Textilindustrie sollen Produktgruppen, deren Exporte in den vergangenen Monaten stark zunahmen, mit Ausfuhrzöllen von bis zu umgerechnet 40 Euro-Cent pro Stück belegt werden. Die neue Regelung könnte bereits kommenden Monat in Kraft treten. Im vergangenen Dezember hatte China bereits Exportgebühren in Höhe von zwei bis drei Cent eingeführt. 

Mit den Ausfuhrzöllen will Minister Bo einem Handelsstreit mit der EU sowie den USA zuvorkommen. Angesichts des starken Anstiegs fürchtet Bo protektionistische Maßnahmen. Die Europäische Kommission will kommende Woche über mögliche Einfuhreinschränkungen beraten. Die EU beruft sich dabei auf eine Klausel, die mit Peking im Zuge der Beitrittsverhandlungen zur Welthandelsorganisation (WTO) vereinbart wurde. Diese erlaubt es anderen Staaten, die Einfuhren von chinesischen Textilien einzuschränken. 

Aus den USA bekommt Bo ebenfalls Druck. Die Bekleidungsimporte aus China waren dort seit Anfang des Jahres um 70 Prozent gestiegen. Bei manchen Produkten wie Baumwollstrickwaren oder Blusen verzeichneten die chinesischen Erzeugnisse im ersten Quartal sogar einen Anstieg um bis zu 1250 Prozent. 

Nach Angaben der WTO ist China der große Gewinner des Wegfalls der Textilquoten. Der Marktanteil in Europa dürfte dadurch mittelfristig von 18 Prozent auf 29 Prozent steigen, in den USA sogar von 16 Prozent auf 50 Prozent. 

Mit den Exporttarifen würde Bo zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wenn China schon seine Exporte nicht so schnell steigern will, wie es seine Unternehmen gerne täten, verdient wenigstens der Staat daran. 

Außerdem bieten Zölle den Chinesen mehr Flexibilität. Denn während China bei Einfuhrquoten der EU oder der USA in der Defensive geriete, könnte es mit Zöllen selber das Tempo der Exportsteigerung bestimmen. 

f.sieren@wiwo.de 

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