„Sinnlose Diskussion“

Archiv: „Sinnlose Diskussion“

Geesung Choi » Der Unterhaltungs-elektronikchef von Samsung über den Kampf um die Vorherrschaft im Wohnzimmer und über die Fußball-WM in Deutschland. 

Herr Choi, die jüngsten Quartalszahlen waren enttäuschend. Scheitert Samsung wie viele Konkurrenten doch noch beim Spagat zwischen IT und Unterhaltungselektronik? 

Wir sind definitiv die Nummer eins in der Konsumelektronik. Das belegt auch die aktuelle Interbrand-Studie: Demnach rangiert Samsung erstmals vor Sony als wertvollste Unterhaltungselektronikmarke der Welt. Während die Marke Sony auf einen Wert von 11 Milliarden Dollar kommt, schafft Samsung 15 Milliarden Dollar. 

Anzeige

Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund den Kampf zwischen der Computerwelt und der Unterhaltungselektronik um die Vorherrschaft im Wohnzimmer? 

Diese Diskussion ist mir zu stark schwarz-weiß gefärbt. Bei allen Phänomenen – ob sozialen oder technologischen – gibt es immer auch Grautöne. Zwar konzentrieren sich tatsächlich viele IT-Unternehmen inzwischen auf die Unterhaltungselektronik. Umgekehrt enthalten aber auch immer mehr Konsumelektronikprodukte Softwarebausteine, die von IT-Anbietern entwickelt wurden. Genau das ist doch die viel beschworene Konvergenz zwischen beiden Industrien. 

Wer macht das Rennen? 

Manche Anbieter erwarten, dass künftig der PC zum Mittelpunkt im Wohnzimmer wird, andere Hersteller sehen Set-Top-Boxen oder Flachbildfernseher in dieser Rolle. Aber diese Diskussion macht gar keinen Sinn. Denn den Kunden ist es völlig egal, welches Gerät wo im Mittelpunkt steht. Sie wollen interessante Produkte haben, die einfach zu nutzen sind. 

Welche Technologie-Trendssind die wichtigsten Antreiber für Samsungs Geschäft in den kommenden Jahren? 

In Europa ist das ganz klar hochauflösendes Fernsehen, kurz HDTV, das ja gerade eingeführt wird. Überdies nimmt die durchschnittliche Größe der Bildschirme immer weiter zu. Das wird durch HDTV weiter beschleunigt, denn nun hat man auch auf großen Displays wirklich scharfe Bilder. Zweitens wird mobiles TV in den kommenden Jahren zunehmend populär. Denken Sie nur an die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr: Solche zeitkritischen und aufregenden Inhalte wollen die Leute live sehen, nicht zu Hause aufgezeichnet am Videorekorder. Mit einem mobilen Fernseher geht das überall. 

Was erwartet Samsung geschäftlich von der Fußball-WM? 

Für uns als Hersteller verspricht das ein gutes Geschäft zu werden. Schon während der WM 2002 in Südkorea und Japan ist es uns gelungen, bei den Menschen die Lust auf neue Geräten zu wecken. Vor den Spielen hatte der Durchschnittsfernseher eine Bildschirmdiagonale von 75 oder 80 Zentimetern. Während der WM kamen Projektionsgeräte mit größeren Displays auf den Markt, sodass viele Menschen die Spiele nicht zu Hause, sondern in Bars oder Restaurants anschauten. Wieder zu Hause, empfanden sie ihre alten Geräte als viel zu klein und kauften sich neue, größere Fernseher mit 100 Zentimeter Diagonale und mehr. Ähnliche Entwicklungen werden wir im kommenden Jahr auch in Europa beobachten können. 

Wie geht es dadurch mit Samsung weiter? 

Samsung ist jüngst zum ersten Mal in einem Quartal Nummer eins im TV-Geschäft geworden – aber wir sind weiterhin hungrig. Denn unser Marktanteil im weltweiten TV-Geschäft liegt bei 10 Prozent. Wir wollen 20 Prozent. 

michael.kroker@wiwo.de 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%