Archiv: Skontieinstreichen

Durch Factoring kommen Mittelständler schnelleran ihr Geld. Was sie dabei beachten müssen. 

Lange wurden Factoring-Kunden ausgesprochen kritisch beäugt. Sie galten als klamm, da sie Forderungen an Factoring-Gesellschaften verkaufen und nur einen Teil des Rechnungsbetrages überwiesen bekommen. Inzwischen ist der Forderungsverkauf eine anerkannte Möglichkeit der Finanzierung. Schließlich löst Factoring gleich zwei Probleme. Erstens verschafft es wie ein Kredit schnell Liquidität. Zum Zweiten verbessert es die Eigenkapitalsituation der Unternehmen und damit ihr Rating, das nach den neuen Basel-II-Richtlinien immer wichtiger wird. 

Kein Wunder, dass der Factoring-Markt zweistellig wächst. Im vergangenen Jahr zählte der Deutsche Factoring-Verband 3200 Unternehmenskunden mit einem Factoring-Volumen von 55 Milliarden Euro. Vor zwei Jahren waren es noch erst 45,3 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch einmal rund 3000 kleine und mittlere Unternehmen mit einem Factoring-Umsatz von 1,5 Milliarden Euro, die in der Statistik gar nicht erfasst sind, schätzt Volker Ernst, Chef des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand. 

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Es könnten noch mehr werden. Nach einer Studie von ABC Factoring können sich von 500 befragten Mittelständlern 20 Prozent vorstellen, künftig Forderungen zu verkaufen. 55 Prozent würden sich dafür einscheiden, wenn sich die Zahlungsmoral weiter verschlechtert, und 46 Prozent, wenn Liquiditätsengpässe auftreten. 

Wann sich ein Forderungsverkauf tatsächlich lohnt, hat Simon Dahms vom Lehrstuhl Controlling an der Universität Münster ermittelt. „Factoring ist eine Alternative, wenn Kunden im Schnitt erst nach mehr als 40 Tagen zahlen“, sagt er. Wenn Mittelständler selbst erst nach mehr als zwölf Tagen ihre Rechnungen zahlen und ihnen dadurch Skonti entgeht, lohnt sich Factoring ebenfalls. Um Mittelständlern bei der Entscheidung zu unterstützen, hat die Unternehmensberatung BMS Consulting – ein Spinoff des Lehrstuhls – eine Software zur Bilanzanalyse entwickelt. 

Je nach Risiko und Aufwand kostet der Forderungsverkauf zwischen 0,1 und fünf Prozent des Factorumsatzes. Frank Kampmann hat sich davon nicht abschrecken lassen. Der Geschäftsführer des Maschinenbauers Systec verkauft seit Ende vergangenen Jahres die Hälfte seiner offenen Forderungen an eine Factoring-Gesellschaft. „Wir können Rechnungen sofort bezahlen“, sagt Kampmann, „und dadurch Skonti von bis zu drei Prozent einstreichen.“ 

midia nuri | geld@wiwo.de 

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