„Sonst verrecken wir“

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Allgaier » Arbeitgeber-präsident Dieter Hundt muss Arbeitsplätze in Billiglohnländer verlagern. 

Am Montag dieser Woche traf er sich mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Thema Innovation, tags darauf sprach er mit der Präsidentin der Kultusministerkonferenz über eine bessere Ausbildung der Jugend. In der Nacht dazwischen jettete der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt von Berlin ins schwäbische Uhingen, um sich den Problemen im eigenen Unternehmen zu widmen. Denn bei den Allgaier Werken (Umsatz: 246 Millionen Euro, 1758 Mitarbeiter) spitzt sich die Lage wie bei den meisten mittelständischen Automobilzulieferern im Lande zu. Auf der einen Seite sind die Preise für Stahl, Kunststoffe und Energie in den vergangenen anderthalb Jahren um 60 bis 80 Prozent gestiegen, auf der anderen Seite drücken die Autokonzerne massiv die Kosten. So bestellte etwa Ford seine wichtigsten Zulieferer binnen 24 Stunden nach Köln ein und forderte sie auf, ihre Preise um 30 Prozent zu senken. „Wenn wir da nicht verstärkt im Ausland produzieren lassen, verrecken wir“, schimpft Hundt. 

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Der Arbeitgeberpräsident war immer stolz auf die hohe Wertschöpfung seiner Werke in Deutschland. 

Inzwischen muss er jedoch immer mehr Unteraufträge an Billigproduzenten in Osteuropa vergeben. Um dem Kosten- und Preisdruck dauerhaft standzuhalten, soll der heimische Wertschöpfungsanteil in Deutschland auf 50 bis 60 Prozent sinken. Derzeit sondiert Hundt sogar das Terrain in Osteuropa und China füreigene Produktionsstätten. Allein könne Allgaier die Inves-titionen allerdings nicht stemmen, so der Geschäftsführende Gesellschafter Hundt, der 50 Prozent an den Allgaier Werken hält. Der BDA-Präsident sucht deshalb Kooperationspartner oder Gesellschafter, für die selbst eine Mehrheitsbeteiligung an den Allgaier Werken nicht ausgeschlossen sei. An einen massiven Personalabbau in Uhingen mag Hundt derzeit jedoch nicht denken und will um zusätzliche Aufträge bei den Autoherstellern kämpfen. Die Aussichten dafür sind indes alles andere als gut. Die Branche hat nach Schätzung der Unternehmensberatung McKinsey Überkapazitäten von 20 bis 30 Prozent. Allgaier-Konkurrent Läpple musste Ende vergangenen Monats bereits 100 von 1750 Beschäftigten entlassen. 

c.ramthun@wiwo.de 

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