Archiv: SpäteEinsicht

Siebel Systems » Der neue Chef des US-Softwarekonzerns will das Servicegeschäft stärken. 

Es klang fast wie ein Satz aus seinem früheren Leben als Unternehmensberater: „Der Kunde steht im Mittelpunkt“, sagte George Shaheen bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer Siebel-Chef. Erst Mitte April hatte der Aufsichtsrat Shaheen-Vorgänger Mike Lawrie wegen unerwartet schlechter Quartalszahlen entlassen. Die Siebel-Kunden staunten nicht schlecht über Shaheens Ankündigung, dass fortan als Unternehmenscredo das Motto „It’s all about the customer“ das Logo des Softwareherstellers zieren soll – eine reichlich späte Einsicht. War es doch Unternehmensgründer Tom Siebel, der mit seinem Unternehmen 1993 das Segment für Kundenmanagement-Software überhaupt erst erschuf. 

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Mit dem neuen Bekenntnis will Shaheen Siebels Servicegeschäft stärken. Dass er damit seinen Integrationspartnern wie IBM oder Accenture in die Quere kommen könnte, bestreitet er: „Es wird keine Revierkämpfe geben. Denn sowohl unsere Partner als auch wir profitieren, wenn Projekte besser laufen.“ Auf dem Siebel-Chefposten will es der 60-Jährige noch einmal wissen. Denn sein letzter Abschied vom Geschäftsleben war alles andere als rühmlich. Im Oktober 1999 wechselte Shaheen nach zehn Jahren an der Spitze von Andersen Consulting (heute Accenture) auf den Chefsessel des damals völlig unbedeutenden Internet-Startups Webvan. Keine zwei Jahre später, im April 2001, stieg Shaheen wieder aus. „Das Unternehmen braucht jetzt einen anderen Chef“, so Shaheen seinerzeit. Brauchte es nicht: Drei Monate später schlitterte Webvan in die Pleite. Bis dahin hatte das Startup insgesamt 1,2 Milliarden Dollar Investitionskapital vernichtet – der unrühmliche Höhepunkt der Dotcom-Ära. 

Die Vergangenheit ficht Aufsichtsratschef Tom Siebel nicht an. Er zieht beim US-Softwarekonzern im Hintergrund noch immer die Strippen und hat die Berufung von Shaheen, der seit 1995 bei Siebel im Aufsichtsrat sitzt, maßgeblich gefördert. „Es geht nur um Ergebnisse“, so Siebel zur Demission von Shaheen-Vorgänger Lawrie. Entsprechenden Druck machen auch institutionelle Anleger. Providence Capital, auf Aktionärsberatung spezialisierter Siebel-Großinvestor, hat bereits verlangt, Siebel solle sich für einen Verkauf aufhübschen – nicht gerade ideale Startbedingungen für den neuen Chef. 

m.kroker@wiwo.de 

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