Archiv: Spam Angst vorZensur

Mit allerlei fragwürdigen Tricks versuchen Online-Werber, sich in dieToprankings von Suchmaschinen zu mogeln. 

Wenn Werner Breitkreuz „Auto“ in die Internetsuchmaschine Google eingibt, findet er in der Trefferliste alles Mögliche – bloß nicht BMW, VW, Opel, Ford und Co. unter den Topten. Stattdessen erhält der informationsbedürftige Automobilist eine Vielzahl verwirrender Nieten. Genauso bei den Suchworten „Reisen“ oder „Rente“. Auch eine Suche nach „Kredit“ liefert zwar Finanzmakler jeder Art, nur kaum eine Bank. 

Schuld daran, dass Internetnutzer immer seltener das finden, was sie suchen, sind so genannte Index-Spammer. Sie versuchen, ihre eigene oder die abstrusen Web-Seiten ihrer Auftraggeber mit ausgebufften Tricks in den Trefferanzeigen ganz nach oben zu bringen – und die Konkurrenz nach unten zu drängen. „Google & Co. werden Marktanteile verlieren, wenn sie Spam nicht in den Griff bekommen“, sagt Marcus Koch, Mitgeschäftsführer des Suchmaschinen-Vermarkters Suchtreffer AG. 

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Der Grund für den Wettbewerb um die Plätze in der ersten Reihe: Marktforscher IDC hat ermittelt, dass 80 Prozent aller Surfer in ihrer Google-Manie gezielt nach Produkten oder Unternehmensinformationen suchen. Die Meisten machen sich dabei kaum die Mühe, mehr als die ersten 30 Treffer eines Suchergebnisses zu betrachten. Daher ist es für Unternehmen immens wichtig, mit ihren Schlagworten im Ranking der Suchmaschinen ganz nach vorne zu rücken. 

Für alle Beteiligten geht es um viel Geld: Gibt ein Surfer seine persönlichen Daten preis, können Indextrickser dafür von großen Assekuranzfirmen bis zu 25 Euro kassieren. Auch Notlagen wie die Flutkatastrophe an der Oder mit vielen überfluteten PCs brachten Spitzenpreise: „Für einen Klick auf das Suchwort Datenrettung in den Topten der Trefferlisten wurden bis zu 38 Euro je Klick bezahlt“, sagt Koch. Jeder Seitenaufruf lässt sich also in bare Münze verwandeln – bei vielen tausend Klicks kommen schnell große Summen zusammen. 

Entsprechend ausgefeilt sind die Täuschungsmethoden der Spammer. Zwar wird die Trefferposition einer Seite bei den Suchmaschinen von über 30 Randbedingungen beeinflusst. Doch das Geheimnis, welche Parameter in welcher Weise bewertet werden, hüten die Suchmaschinen wie Coca Cola das Brause-Rezept. Google bewertet die Popularität einer Web-Seite unter anderem nach der Anzahl der Verweise dorthin. Das machen sich die bösen Jungs mit zweifelhaften Methoden zu Nutze: Sie mieten Dutzende von Internetrechnern an und spielen Web-Seiten ohne sinnvollen Inhalt auf, die alle aufeinander verweisen. 

Manche verknüpfen auch endlose Listen mit Schlagwörtern ohne jeden Zusammenhang mit ihren Internetseiten: Kraftfutter für die Suchmaschinen – legal, aber dennoch fragwürdig. Das Fatale daran ist, dass die Roboterprogramme von Altavista, Hotbot, Lycos & Co., die in erster Linie den bloßen Text auswerten, dadurch leicht übertölpelt werden können: „Computertechnik tut sich schwer damit, den Sinn von Textinhalten zu verstehen“, sagt Projektentwickler Marc Wäsche vom Dortmunder Softwarehaus Filtertechnics. Sie sind dadurch kaum in der Lage, legitime von zweifelhaften Inhalten zu unterscheiden. 

Hilfe soll nun von außen kommen: Zahlreiche Anbieter wie etwa Filtertechnics mit dem Programm Googlefilter präsentieren auf der Cebit Lösungen, die Ergebnisse der Suchmaschine Google von Spam befreien. Die Basis ist eine Datenbank mit aktuellen Spamseiten. Doch all das bringt nur einen kleinen Vorsprung: „Der virtuelle Krieg gleicht einem Katz-und-Maus-Spiel“, sagt Christian Mauer, Chef von Sumo, einem Suchmaschinenoptimierer. 

Das allerdings zunehmend riskant ist. Wer Suchmaschinen vollmüllt, dem droht die Verbannung aus dem Index. Außerdem bewerten viele Anbieter die Web-Seiten einmal pro Monat neu. Ganz Hartnäckige wie der französische Spammer Netbooster wurden zeitweise ganz von Google und Yahoo vor die Tür gesetzt. Wirklich konsistente Abwehrstrategien gegen Spam können die Suchmaschinen aber kaum entwickeln: „Sie nehmen ein paar Schrottseiten manuell aus dem Index, um ein paar Positivbeispiele vorweisen zu können“, sagt Internetexperte Thomas Hartman aus Berlin. Wer heute bei Google zum Beispiel „Versicherung“ eingibt, erhält die Branchengrößen von Allianz bis Zürcher fein säuberlich gelistet. 

Das war längst nicht immer so. „Da haben Google-Mitarbeiter persönlich nachgeholfen“, glaubt Koch von Suchtreffer. Systematische manuelle Nacharbeit ist allerdings für einen Giganten wie Google mit rund 500 Millionen Web-Seiten weltweit ein hoffnungsloses Unterfangen. Zudem ist die Blockade für die Betreiber auch problematisch. Filtertechnics-Experte Wäsche geht davon aus, dass die Anbieter durchaus effektiver vorgehen könnten – „aber bei denen geht einfach die Angst um, hinterher als der große Zensor dazustehen“. 

Edgar Lange 

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