Stark steigt selbst ein

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MTU » Vorstandschef Stark beteiligt sich mit eigenem Kapital am MTU-Börsengang 

Ihm eilt nicht gerade der Ruf eines Wohltäters voraus. Wo auch immer Udo Stark in den vergangenen Jahren als Topmanager aufschlug – er ging in der Regel nicht, bevor er sich eine stattliche Abfindung gesichert hatte. Jetzt ist er Chef des Münchner Triebwerksherstellers MTU Aero Engines – und geht neue Wege: Er beteiligt sich am bevorstehenden Börsengang der MTU als Unternehmer. Zusammen mit seinen drei Geschäftsführungskollegen und einem Aufsichtsratsmitglied hat der 57-Jährige – „mit eigenem Kapital“, so Stark – rund sechs Prozent der MTU vom Haupteigentümer, dem Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR), gekauft. „Wir stehen damit auch im Risiko“, sagt Stark. 

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Das ist freilich begrenzt. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen schätzen die am Börsengang beteiligten Banken den Wert des Unternehmens derzeit auf 1,8 bis 2,2 Milliarden Euro. KKR hatte das Unternehmen Ende 2003 für 1,45 Milliarden Euro von DaimlerChrysler erworben. 

Eigentlich will KKR die Anteile überwiegend institutionellen Investoren aus dem angelsächsischen Raum anbieten. Wegen der aktuellen Diskussion über die „Heuschrecken-Kapitalisten“ – in der Finanzinvestoren die Plünderung deutscher Unternehmen vorgeworfen wird – erwägen die Eigner nun, einen größeren Teil unter deutschen Kleinanlegern zu streuen. Der Zeitplan für den Börsengang ist knapp. Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft soll Ende Mai die Bookbuilding-Spanne bekannt gegeben werden. Anschließend präsentiert Stark das Unternehmen auf einer Roadshow. Bei hohem Interesse ist eine Erstnotiz Anfang Juni möglich. Für Kursfantasie soll laut Stark „eine attraktive Dividendenpolitik“ sorgen. Nach einem kleinen Zuwachs im vergangenen Jahr schaffte MTU im ersten Quartal 2005 ein zweistelliges Umsatzplus auf knapp eine halbe Milliarde Euro und einen hohen zweistelligen Sprung beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. 

Anfangs kann MTU die hohen Ausschüttungen wohl durchhalten. Zwar ist es in der Branche üblich, dass die Hersteller ihre Triebwerke den Kunden quasi kostenlos unter die Flügel hängen. Entscheidend für den Erfolg eines Triebwerksbauers sei jedoch „das hoch rentable Ersatzteilgeschäft“, sagt Stark. „Hier sind wir gut aufgestellt.“ MTU gilt als führender Hersteller zentraler Bauteile besonders für Airbus-Modelle wie den A320, wo die Auslieferungen in den kommenden Jahren rund 40 Prozent anziehen sollen. Auch der Superjumbo Airbus A380 verspricht Milliardenumsätze. Bei solchen Großprojekten liefert MTU keine kompletten Triebwerke, sondern fungiert als Zulieferer großer Hersteller. Nach Einschätzung von Branchenkennern hängt MTU dabei zu sehr am US-Anbieter Pratt & Whitney, der im Zivilgeschäft schwächer dasteht als die schärfsten Rivalen General Electric und Rolls-Royce. 

Riskant ist auch die Expansion in den Wartungsbereich, dessen Umsatzanteil Stark bis 2010 von 28 auf 40 Prozent hochfahren will. Hier trifft MTU auf wachsende Konkurrenz durch große Triebwerkshersteller und die Wartungstöchter von Fluglinien. 

ruediger.kiani-kress@wiwo.de 

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