Stille Botschaft am stillen Ort

Archiv: Stille Botschaft am stillen Ort

Verzettelt sich Google mit all seinen Projekten? Wie schafft man es, die inzwischen rund 9000 Mitarbeiter auf eine gemeinsame Linie einzuschwören? Die verblüffend einfache Antwort und zugleich absurd anmutende Lösung fand ich, als ich vergangene Woche den streng abgeschirmten, jährlichen Medienempfang in Googles Hauptquartier verließ und mir den von Sicherheitskräften gesäumten Weg zur Toilette bahnte. Dort fand ich nicht nur einen Zettel, sondern gleich mehrere: In Brusthöhe über jedem Urinal, hygienisch in Laminat eingeschweißt. Es handelte sich um ein Traktat: Testen auf der Toilette, Folge 21. Die Botschaft an die Programmierer: Bitte prüft euren Software-Code gleich beim Schreiben. Hinterher Fehler glattbügeln, ist Mist. Gleich testen ist Spitze! So die Kurzversion. Kein Aprilscherz. Wer länger am Urinal verweilt, bekommt eine ganze Seite voller Anregungen, wie man richtig testet. Ich habe fast alle Hauptquartiere von großen US-Technologieunternehmen besucht. So etwas wie bei Google habe ich noch nie gesehen. Dabei macht es durchaus Sinn. Eine Hausmitteilung via E-Mail oder Papier liest man einmal oder gar nicht. Mit dieser Botschaft hingegen wird man mindestens zweimal täglich konfrontiert. Da Ideen aus dem Silicon Valley so gern nachgeahmt werden, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis jede Toilette zur Informationsstelle wird. 

Gilt das auch für die Damentoiletten? Die Antwort gab mir Marissa Mayer, Googles Innovationschefin. Die Zettel gab es zur Premiere exklusiv für die Männertoiletten. Dann beschwerten sich die weiblichen Ingenieure über die Sonderbehandlung ihrer Kollegen. Seitdem hängen die Zettel auch dort – an den Innentüren der Toilettenkabinen. Allerdings haben es die Damen schwerer. Um die weiter entfernten Zettel zu lesen, beklagte sich eine Google-Mitarbeiterin, müsse man die Augen schon arg zusammenkneifen. Die Botschaften werden regelmäßig ausgetauscht und sind in jedem WC gleich. Irgendwo bei Google gibt es also jemanden, der hauptberuflich Botschaften fürs Klo verfasst. Eigentlich bin ich etwas enttäuscht. Bei einem High-Tech-Unternehmen hätte ich zumindest Flachdisplays statt schnöder Zettel erwartet. Übrigens ist der Fußboden bei Google unbeschrieben – noch. 

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