„Strategisch fahren“

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Der Taxifahrer Zang Qin über modernes Management. 

Herr Zang, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Einladung von Microsoft bekommen haben? 

Es war schon etwas merkwürdig, und ich habe anfangs gezögert. Eigentlich habe ich nur deshalb zugesagt, weil der Manager, den ich damals gefahren habe, mich mit seiner ehrlichen Art überzeugt hat. Es hat ihn wirklich sehr interessiert, wie ich meinen Job manage. 

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Was machen Sie anders als andere Taxifahrer? 

Die meisten Taxifahrer verdienen nur die Hälfte von dem, was ich verdiene, weil sie ihre Arbeit als rein körperliche Arbeit betrachten und ihren Kopf nicht anstrengen. Ich hingegen sehe mich als Unternehmer, der hauptsächlich mit dem Kopf arbeitet. Ich will Profit machen. Deshalb überlege ich mir genau, wie ich meine Zeit und meinen Sprit einsetze. 

Und was heißt das konkret? 

Ich habe meine Redekunst verfeinert und mein Revier, das Shanghaier Straßengewirr, in- und auswendig gelernt. Nur so kann ich meine Kunden überzeugen, dass mein Fahrweg wirklich der schnellste ist, um ans Ziel zu kommen, auch wenn er manchmal ein bisschen teurer ist. Längere, aber schnellere Strecken gibt es in Shanghai viele, und sie wechseln ständig. Außerdem habe ich die einzelnen Warteplätze genau untersucht. Ich mache genaue Analysen über die Wohnviertel und Bürogebäude, die ich ansteuere. Ich habe mit der Zeit Konzepte entwickelt, wie ich mir meinen Tag am besten einteile. Zu bestimmten Uhrzeiten fahren die Kunden aus einem Bürogebäude nur kurz irgendwohin zum Essen. Dafür lohnt es sich kaum, den Motor anzulassen. Aber später fahren sie für Termine quer durch die Stadt. Also mache ich Pause, wenn es sowieso nur kurze Fahrten gibt. 

Wie sind Sie zu diesen wissenschaftlichen Methoden gekommen? 

Ich bin 17 Jahre lang Taxi gefahren und habe lange dabei mit Mühe und Not 500 Euro im Monat verdient. Vor zehn Jahren habe ich mir schließlich gesagt, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Ich kaufte mir Bücher zu Management, Strategie, Kostenrechnung, Benehmen und Psychologie und habe drei Jahre lang gebraucht, sie durchzuackern – während meiner Wartezeiten im Taxi. 

Was können andere von Ihnen lernen? 

Meine Strategie beruht auf der Kombination von Erfahrung, Fleiß und gewissenhaftem Lernen. Das ist für alle wichtig, die Erfolg haben wollen. Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Wer sich selbst und den Feind kennt, wird in 100 Schlachten siegreich bleiben.“ Für mich gilt: Wer sich selbst und den Feind kennt und seine Kunden liebt, wird reich und glücklich werden. 

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