Archiv: Streit um Marketing

Grippe » Die Erfinder von Tamiflu und Relenza liegen mit Roche und GlaxoSmithKline im Clinch. 

Franz Humer , Chef des Schweizer Pharmakonzerns Roche hat eigentlich allen Grund, mit hohen Umsätzen bei seinem Grippe-Medikament Tamiflu zu rechnen. Denn seit kurzem ist klar: Die auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippe breitet sich von Südostasien in Richtung Europa aus. Tamiflu spielt in den Pandemieplänen vieler Staaten eine zentrale Rolle. Humers Umsatzerwartungen von 520 Millionen Euro für das Medikament im laufenden Jahr könnten noch übertroffen werden – enorm für den einstigen Ladenhüter. Doch der Roche-Lenker hat Streit mit den Erfindern von Tamiflu, dem kalifornischen Biotech-Unternehmen Gilead Sciences und dessen Chef John Martin . Martin zog die von Gilead 1996 an Roche vergebene Lizenz für Tamiflu vor wenigen Wochen zurück. Sein Vorwurf: „Roche vermarktet das Produkt schlecht.“ So habe der Konzern das Mittel, das in 64 Nationen zugelassen ist, nur in 21 Ländern auf den Markt gebracht, die Lizenzabgaben an den kleinen Partner Gilead falsch berechnet und Produktions- und Lieferprobleme verursacht. Tatsächlich kann Roche viele Kunden, die Kontrakte im Wert von 1,4 Milliarden US-Dollar abschlossen, erst in den nächsten Monaten und Jahren beliefern. Humer setzt auf Gespräche und das Schiedsverfahren, das im September beginnen könnte. 

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Einen ähnlichen Fall fechten seit Frühjahr 2004 die Kontrahenten GlaxoSmithKline (GSK) und Biota aus. Der britische Pharmariese GSK wehrt sich gegen die Angriffe des australischen Biotech-Zwergs Biota und dessen CEO Peter Molloy . Biota hatte 1990 die Rechte an seinem Antigrippemittel Relenza an die Briten vergeben. Kurz nach der Markteinführung 1999 hatte Relenza etwa die Hälfte des Marktes erobert. Doch da das Mittel inhaliert werden muss, stufte der Konzern es als Nischenprodukt ein und bremste den Marketingaufwand, sodass es heute nur noch ein Prozent Marktanteil hat – behauptet Molloy. Gerade wegen des wachsenden Bedarfs an wirksamen Grippemedikamenten hätte der Anteil aber bei mindestens 40 Prozent liegen müssen, findet er. Vor wenigenTagen hat er nachgerechnet: „Biota sind zwischen 233 und 325 Millionen US-Dollar an Lizenzeinnahmen entgangen.“ Die klagt er bei GSK ein. 

susanne.kutter@wiwo.de 

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