SUN Microsystems „Kommunikation ist angeboren“

Archiv: SUN Microsystems „Kommunikation ist angeboren“

Sun-President Jonathan Schwartz über den Wachstumsmotor Internet, Rechnerleistung als Dienstleistung und den Erfolg von Online-Tagebüchern. 

Mr. Schwartz, nach zwei Quartalen Wachstum ist Suns Umsatz im vergangenen Quartal wieder gesunken. Was ist mit den von Ihnen beschworenen neuen Wachstumspotenzialen? 

Das Internet boomt weiterhin und bietet Sun damit in Zukunft neue Chancen. Ich bin völlig überzeugt, dass Suns Perspektiven ausgezeichnet sind. Jeder Konsument, der das Web nutzt, um dort Geschäfte abzuwickeln, treibt auch Suns Geschäft voran. Egal, ob ein Klingelton aufs Handy geladen, eine Bestellung über die Lieferkette elektronisch abgewickelt oder ein Gespräch über das Mobilfunknetz der Deutschen Telekom geführt wird – all das beflügelt die Nachfrage nach Computern und Software von Sun... 

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...und denen Ihrer Konkurrenten wie IBM. Und ganz ähnlich wie IBM forcieren Sie Ihr Dienstleistungsgeschäft: Neuerdings geben Sie Ihr Betriebssystem Solaris kostenlos ab und wollen Geld mit Upgrades und Diensten verdienen. Wird Sun ein Service-Anbieter? 

Nein. Das Modell passt einfach zu unserer Überzeugung, dass in Zukunft jede Software als Service angeboten wird. Dennoch läuft die Software ja auch dann noch auf Hardware. Wer Services anbietet, hört folglich nicht auf, ein Hardwarehersteller zu sein. Wir sind und bleiben ein Systemanbieter. Uns zu fragen, ob wir ein Service-Unternehmen seien, ist ungefähr genauso, als fragte man die Deutsche Telekom, ob sie ein Handyanbieter oder ein Netzbetreiber sei – sie ist ein Kommunikationsunternehmen mit einer Vielzahl von Diensten und Angeboten. 

Sun will Rechnerleistung für einen Dollar je Stunde verkaufen und setzt damit auf On-Demand-Computing, also Computerkapazität nach Bedarf. Was verspricht sich Sun davon? 

Um den Preis von einem Dollar je Prozessorstunde festzulegen, mussten wir das Geschäftsmodell durchrechnen. Daher wissen wir, dass dieses Geschäft eine attraktive Marge bietet. Gleichzeitig wissen wir auch, dass es ein gutes Geschäft für unsere Kunden sein kann. Folglich ist es eine der wenigen Gelegenheiten, bei der wir Geld verdienen und Kunden Geld sparen können – eine wichtige Voraussetzung für das Geschäft. 

Wie können Sie das Geschäft mit so genannten Grids – Computernetzen, über die Rechnerleistung vermietet wird – profitabel führen? 

Wir arbeiten mit Firmen wie der Deutschen Telekom, EDS oder Accenture und deren Rechenzentren zusammen. Es geht nicht darum, dass wir einen Service anbieten, der nur von Sun stammt. Sondern darum, dass wir uns mit Partnern zusammentun und unsere Kernkompetenzen bündeln. Außerdem: Wenn wir ein Grid bauen, betrachten wir beispielsweise die dazugehörigen 10 000 Prozessoren als Lagerbestand. So können wir Rechnerkapazität vermieten, während wir auf einen Verkauf der Prozessoren warten. Wenn Kunden Computer kaufen, können wir die auch aus dem Grid nehmen. 

Da bekommen die Kunden doch das Gefühl, gebrauchte Rechner zu kaufen. 

Die meisten Kunden mögen es, warm gelaufene Rechner zu kaufen, denn die haben eine viel niedrigere Ausfallrate. Auch heute schon ist jeder verkaufte Computer mehrere Stunden gelaufen, damit wir wissen, dass er richtig funktioniert. Das ist ähnlich wie bei Autos. Auch die sind ja nicht wirklich neu, wenn man sie kauft, sondern wurden ebenfalls bereits gefahren, um sie zu testen. 

Wenn Rechnerleistung künftig wie Elektrizität, also wie ein Rohstoff verkauft wird, lohnt sich das für Sun überhaupt noch? 

Nur weil Rechnerleistung künftig ein Alltagsgut wird, heißt das nicht, dass dies auch für Computer selbst gilt. Außerdem: Die größten Unternehmen der Welt – egal, ob Deutsche Telekom, Deutsche Bank oder Exxon Mobil – sind alles Anbieter von Gebrauchsgegenständen. Denn das heißt doch erst einmal nur, dass sich die Konzerne in Märkten bewegen, für die es eine universelle Kundennachfrage gibt. Sun ist da sogar in einem besonders interessanten Markt tätig. Denn ich bin mir sicher, dass die Internetära das Ölzeitalter bei weitem übertreffen wird. Da liegt also noch ein gigantisches Potenzial vor uns. 

Sie sind Autor eines enorm populärenWeblogs. Hat Sie der Erfolg Ihrer Online-Notizen überrascht? 

Ich war über einige Dinge überrascht. Zum einen über die schiere Zahl der Leser. Aber auch darüber, wer meine Notizen alles liest. Wall-Street-Analysten zählen ebenso dazu wie Journalisten, Industriebeobachter und nicht zuletzt unsere Angestellten. Im Grunde sind Weblogs eine natürliche Erweiterung unserer Unternehmenskultur. Sun hat niemals ohne E-Mail existiert. Wir ermutigen jeden Mitarbeiter, einen Blog zu starten. Viele Unternehmen sehen das als großes Risiko an, aber meines Erachtens ist das nicht riskanter als E-Mail oder Telefon. 

Eigentlich sind Blogs ja bloß Online-Tagebücher. Wie erklären Sie sich den Boom? 

E-Mails sind auch nur eine elektronische Variante von Papierbriefen und extrem erfolgreicher. In unserer vernetzten Welt geschehen immer mehr Dinge, die man so nicht voraussehen kann. Wer hätte vor einiger Zeit gedacht, dass Nokia einmal der größte Anbieter von Digitalkameras werden würde? Dass die Folgen des Tsunami als Erstes mit den Kameras von Mobiltelefonen aufgenommen würden? Kommunikation ist den Menschen angeboren, das ist vermutlich die Erklärung. 

Michael Kroker 

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