Archiv: Teure Geschenke

Fußball-WM » Im Streit mit den Unternehmenum die Versteuerung von Tickets lehnt Eichel einen Kompromiss ab. 

Bundesfinanzminister Hans Eichel lehnt eine Sonderregelung für Unternehmen ab, die ihre Kunden und Geschäftspartner zu Spielen der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland einladen. Jetzt drohen Unternehmen damit, georderte Kartenkontingente zu stornieren. Wer doch einlädt, riskiert Absagen. „Im schlimmsten Fall müssten wir damit rechnen, dass viele Gäste gar nicht erst kommen“, heißt es etwa beim Reifenhersteller Continental. 

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Er ist neben Adidas und der Deutschen Telekom einer der Großsponsoren der WM. Conti-Chef Manfred Wennemer erhofft sich von der Partnerschaft noch größere Bekanntheit seiner Marke. 

Der Grund für den Ärger: Die Unternehmen müssen sich auf teure Zuzahlungen zu den begehrten Tickets einstellen. Denn Sponsoren oder Unternehmen, die Geschäftskunden oder deren Angehörige zu einem WM-Match einladen wollen, sollen vom Fiskus nicht anders behandelt werden als Firmen, die VIP-Logen in Bundesligastadien betreiben oder Kunden etwa zu Olympischen Spielen einladen. Hier gilt: Das einladende Unternehmen darf die Ausgaben für den Logenbesuch zwar absetzen, die Eingeladenen müssen den Besuch dann aber als geldwerten Vorteil deklarieren und versteuern. Das sind 70 Prozent der Bewirtungskosten und höchstens 35 Euro von der Eintrittskarte. Darüber hinaus werden die Finanzbehörden von den Unternehmen auch die Einladungslisten anfordern, um die Nachversteuerung kontrollieren zu können. „Wer unrichtige Angaben macht, erschleicht sich einen steuerlichen Vorteil. Das hätte rechtliche Konsequenzen“, sagt die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Barbara Hendricks . 

Dabei hatte alles so fröhlich angefangen: Nicht mal einen Monat ist es her, da sonnte sich der Bundesfinanzminister noch im Glanz des Fußballkaisers Franz Beckenbauer. Gemeinsam mit dem Präsidenten des Organisationskomitees für die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland prägte er die erste 100-Euro-Goldmünze aus dem WM-Münzprogramm. Aus den Erlösen wird das Kulturprogramm der WM finanziert. 

Beim Frankfurter Unternehmen iSE, das als einziges die Fifa-Erlaubnis besitzt, die rund 350 000 VIP-Tickets und 530 Logen in den WM-Stadien zu vermarkten, hofft man doch noch auf ein Einlenken Eichels. Mehrere Dax-Unternehmen haben bereits unabhängig von der bevorstehenden WM darauf gedrängt, mit dem Finanzministerium eine pauschale Besteuerung von Einladungsreisen und Sporttickets zu erreichen, um ihren Gästen eine mögliche peinliche Nachfrage der Finanzämter zu ersparen. Im Gespräch war offenbar ein Steuersatz von 25 Prozent statt der üblichen bis zu 40 Prozent. Gerade im Vorfeld der WM hatten die Unternehmen nun darauf gedrängt, eine Einigung zu erreichen. „Der einfachste Weg für alle Beteiligten wäre sicherlich, wir zahlen eine Pauschalsteuer und müssen unsere Gäste nicht mit diesem Thema belasten“, heißt es bei Conti. 

peter.steinkirchner@wiwo.de, konrad handschuch 

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