Archiv: Teure Strickjacken

Textilhandel » Wegen der EU-Einfuhrquoten für Waren aus China fürchten deutsche Unternehmen finanzielle Schäden in Millionenhöhe. 

Dem deutschen Handel drohen massive Einbußen durch die Einfuhrbeschränkungen für chinesische Textilien. Der Otto-Versand fürchtet nach Angaben von Importdirektor Eckhardt Fechtner, einen finanziellen Schaden in „Millionenhöhe“ allein durch die starre Handhabung der Quote für Pullover und Strickjacken. Nach Branchenschätzungen sind 17 Millionen Pullover und Strickjacken blockiert, die deutsche Textilhändler bereits in China geordert hatten. Seit 20. Juli dürfen keine Strickwaren mehr aus China in die EU eingeführt werden, weil die Quote für 2005 erschöpft ist. Die Ware war zwischen dem 12. und 19. Juli verschifft worden und hängt seither fest. Erst im Juni hatten EU-Handelskommissar Peter Mandelson und der chinesische Handelsminister Bo Xilai vereinbart, bis 2008 die jährliche Zunahme der Textileinfuhren aus der Volksrepublik in bestimmten Kategorien zu begrenzen. Die für dieses Jahr festgelegte Importmenge für Pullover und Strickjacken aus China war schneller als erwartet erreicht, sodass die Händler nicht rechtzeitig reagieren konnten. Die blockierte Ware könnte in Nicht-EU-Ländern wie Norwegen oder der Schweiz verkauft werden, doch das gilt in der Branche wegen der Menge als unrealistisch. Eine Einlagerung bis 2006, wenn wieder neue Ware aus China eingeführt werden darf, sieht der Handel ebenso wenig als Lösung. „Uns bleibt im Extremfall die Vernichtung, und die ist kostspielig“, so Otto-Manager Fechtner. Jörg Ulmschneider, Chef der Frankfurter Kaufhauskette Woolworth, sagt: „Der Schaden kann in die Millionen gehen. Sortimente werden auseinander gerissen, und Werbungen platzen.“ Beim westfälischen Modekonzern Gerry Weber wird der drohende Schaden mit 25 Millionen Euro beziffert. 

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Zusätzliches Problem für Versandhändler: Die Kataloge für die Herbst- und Wintersaison sind zum Teil schon druckfrisch ausgeliefert. Doch für die Ware, die darin angeboten wird, müssen neue Lieferanten gefunden werden, vor allem aus Asien. Für Otto-Manager Fechtner steht fest, dass das Geschäft wegen der Suche nach Alternativanbietern auf jeden Fall leiden wird. „Wir werden erheblich mehr für den Transport zahlen, da wir die Ersatzware schnell nach Europa bekommen müssen.“ Bei Otto werde der Einkaufspreis quer durch die Sortimente um zehn Prozent steigen, wegen der bereits fertigen Kataloge könne dies aber nicht weitergegeben werden. 

Der Präsident der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels, Jürgen Maas, schrieb in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister  Wolfgang Clement, dass die Situation „für mittelständige Importeure Insolvenz bedeuten kann und auch für größere Häuser zu einem erheblichen materiellen Verlust“ führen könne. Bereits im Frühjahr hatte die Außenhandelsvereinigung gegen neue Einfuhrbeschränkungen protestiert, die die EU nach dem Wegfall der Textilquoten im Handel mit China in die Wege leiten wollte. Damit wollte die EU vor allem den südeuropäischen Mitgliedstaaten entgegenkommen, die durch die Importe aus China ihre eigenen Marktchancen bedroht sehen. Aus dem Bundeswirtschaftministerium heißt es, man sei höchst besorgt, doch wegen des laufenden Wahlkampfes sei mit stärkerem politischen Flankenschutz nicht zu rechnen. Minister Clement hat kürzlich in Brüssel zwar den Vorschlag gemacht, die Quoten flexibler zu handhaben. Doch selbst die Kompromisslösung bedeutet für den Handel nur geringe Entlastung. 

silke.wettach@wiwo.de | Brüssel,mario brück 

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