Archiv: Tödliche Abgabe

Joachim Hunold »  Der Air-Berlin-Chef steht vor seiner größten Herausforderung: Ein Beschluss des EU-Parlaments könnte zu drastischen Preiserhöhungen führen und den Billigfliegern die Geschäftsgrundlage nehmen. 

Bevor Joachim Hunold am vergangenen Montag in den Urlaub flog, gab sich der Air-Berlin-Chef ungewohnt umweltbewusst: „Auch wir wollen die Schadstoffemissionen begrenzen“, sagte er vor Journalisten. 

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Doch gerade auf diesem Feld will das EU-Parlament der Billigflieger-Branche das Leben schwer machen. Zu den dort vor zwei Wochen beschlossenen neuen Belastungen zählt neben einer Steuer auf Flugbenzin die geplante Aufnahme in den Handel mit Verschmutzungsrechten. Direkte Hin- und Rückflüge würden dann zunächst um bis zu 60 Euro teurer, schätzt die Umweltorganisation GreenSkies, die zu den treibenden Kräften hinter dem Beschluss zählt, der allerdings noch keine Gesetzeskraft hat. Am Ende entscheidet die EU-Kommission. 

Ziel des Parlamentsbeschlusses ist es, von 2008 an die Zahl der Flugreisen in der EU zu begrenzen. Die Fluglinien sollen dazu weniger Emissionsrechte bekommen, als sie aktuell brauchen würden. Zudem sollen sie nicht von anderen Industrien zukaufen dürfen. 

Die Umweltgruppen wollen die der Branche zugestandene Schadstoffmenge rasch senken, möglichst auf Werte, die unter denen von 1990 liegen. „Da die Branche dies nicht durch den Einsatz moderner sparsamerer Flugzeuge wettmachen kann, müsste die Zahl der Flüge sinken“, heißt es bei der Dachorganisation europäischer Fluglinien AEA. „Im Extremfall könnte dies innerhalb der nächsten zehn Jahre ein Viertel weniger Flüge bedeuten.“ 

Das beträfe zwar alle Fluglinien. Doch für Billigflieger wie Hunolds Air Berlin könnte es das Ende sein. Im Gegensatz zu Linien wie der Deutschen Lufthansa erfliegen die Discounter ihr Geld größtenteils in der EU. Zudem befördern sie mehr Touristen, die eher als Geschäftsreisende zu Hause blieben oder auf Auto und Bahn umstiegen, wenn Flüge teurer würden. Wie schnell das geht, erfuhr jüngst Ryanair. Nach der Einführung einer Ticketabgabe in Schweden will die Linie ihr Angebot dorthin reduzieren. 

ruediger.kiani-kress@wiwo.de 

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