Archiv: „Tolles Signal“

Utz Claassen » Der EnBW-Chef über seine neuen Aufgaben als Vorstandsmitglied des französischen Stromriesen EDF. 

Ein Deutscher im Vorstand eines französischen Unternehmens – das ist eine Besonderheit. Waren Sie über Ihre Berufung erstaunt? 

Es kam sehr plötzlich und überraschend. Die Information kam von EDF-Präsident Pierre Gadonneix persönlich. 

Anzeige

Warum holt EDF Sie? 

Das müssten Sie eigentlich Pierre Gadonneix fragen. Neben unserem großen Vertrauen zueinander und unserer erfolgreichen Partnerschaft spielt auch das Bestreben der EDF nach weiterer Internationalisierung sowie Verjüngung ihres Spitzenmanagements eine Rolle. Es ist in jedem Falle ein tolles Signal, das auch in positivster Weise zeigt, wie eng Frankreich und Deutschland inzwischen zusammengerückt sind. 

Sprechen Sie denn französisch? 

Die Sitzungen sollen französisch-englisch mit Simultanübersetzung stattfinden. Das ist eine schöne Gelegenheit, Französisch zu lernen. 

Was sind Ihre Aufgaben als EDF-Vorstandsmitglied? Wird EnBW der Brückenkopf für die Osteuropa-Aktivitäten der Franzosen sein? 

Ich soll neben der Vertretung der EnBW im Vorstand daran mitwirken, die Strategie der EDF-Gruppe für Zentral- und Osteuropa zu definieren. Wir denken dabei nicht in Kategorien von Brückenköpfen. Über die relativen Länderprioritäten hatten wir uns mit Kenntnis des Aufsichtsrates der EnBW bereits Ende 2005 im Rahmen unserer strategischen Partnerschaft verständigt. Es ist klar, dass zum Beispiel ein deutschsprachiges Land wie Österreich für die EnBW ein besonderes Interesse und eine besondere Nähe aufweist. Wir interessieren uns auch für Länder Südosteuropas wie zum Beispiel Rumänien oder Staaten, die aus dem früheren Jugoslawien hervorgegangen sind. 

Wird EDF seinen Anteil an EnBW von derzeit rund 45 Prozent erhöhen? 

Das steht nicht zur Debatte. 

Wie wird sich EDF im Vergleich zu den großen deutschen Konkurrenten E.On und RWE in Europa positionieren? 

EDF ist derzeit der größte Stromkonzern der Welt. Das Unternehmen wird sicherlich eine ehrgeizige und robuste Wachstumsstrategie aus eigener Kraft entwickeln. 

Werden Sie Ihre Aktivitäten in Nordrhein-Westfalen, dem Stammland der beiden größten deutschen Energieunternehmen RWE und E.On, ausbauen? 

Wir wollen in Deutschland weiter wachsen, und dabei muss naturgemäß Nordrhein-Westfalen mit seiner hohen wirtschaftlichen Bedeutung und seiner großen Einwohnerzahl eine wichtige Rolle spielen. 

Ihnen wird Interesse am norddeutschen Energieversorger EWE nachgesagt. 

Ich habe Respekt vor der unternehmerischen Leistung, die dort vollbracht wird, und da mein Vater Emder war, ich also ostfriesischer Abstammung bin, habe ich generell große Sympathie für die Region. 

Wie weit ist das Ermittlungs-verfahren der Staatsanwaltschaft gegen Sie, in dem es um Bilanzfälschung geht? 

Das weiß ich nicht. Ich befasse mich mit Zukunftsgestaltung, Innovationen und Wertschaffung für unser Unternehmen und unser Land, und nicht mit haltlosen Vorwürfen. 

Sie haben Politikern Freikarten für die Fußball-WM geschickt und deswegen ein zweites Ermittlungsverfahren am Hals. 

Ich habe der Staatsanwaltschaft ausführlich die Sachlage und unsere Rechtsauffassung dargelegt. Wir haben an unserer Rechtsauffassung nicht ein Prozent Zweifel. Alles, was wir als Sponsor der WM getan haben, war, ist und bleibt legal. 

andreas.wildhagen@wiwo.de 

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%