Träumer undSchaumschläger

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Manager » Der Führungsexperte Fredmund Malik startet eine Kampagne gegen visionäre Chefs. 

War John F. Kennedy ein guter US-Präsident? Fredmund Malik sagt Nein. „Er war ein sehr charismatischer Mensch, aber ein recht erfolgloser Politiker“, behauptet der Leiter des Malik Managementzentrums St. Gallen. Und bläst die Botschaft mit großem Aufwand in die Welt hinaus: Bei der Agentur Springer & Jacoby gab er doppelseitige Anzeigen in Auftrag, die seit dieser Woche in deutschen Magazinen erscheinen. 

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Mit der ungewöhnlichen Aktion will der Führungsexperte „Moden, Irrtümer und Irrlehren“ im Management attackieren. „Charismatische Führer sind gefährlich, weil sie glauben, alles unter Kontrolle zu haben, keiner Kritik zugänglich sind und den Kontakt zur Realität verlieren“, sagt Malik. Und hinter Visionen verbirgt sich für ihn oft „größenwahnsinniger Unsinn“. 

Durch den „naiv-heroisierenden“ Gebrauch solcher Begriffe seien vielfach die Falschen an die Spitze von Unternehmen gerückt, nämlich „Träumer, Schaumschläger oder Egomanen“, meint Malik, der für eine Besinnung auf das „managerielle Handwerk“ plädiert. So habe auch Ex-GE-Chef Jack Welch nicht wegen seines Charismas oder seiner Visionen Erfolge erzielt, sondern auf Grund seiner strategischen Entscheidungen (siehe Seite 90). Schon 2002 hatte der Harvard-Professor Rakesh Khurana den CEO-Kult amerikanischer Unternehmen kritisiert. Charismatischen Führern würden gottähnliche Kräfte unterstellt, dabei hätten diese oft kein Verständnis für die Kultur eines Unternehmens, setzten sich über Beschränkungen hinweg und verführten ihre Mitarbeiter zu bedingungslosem und damit irrationalem Gehorsam, meint Khurana. Als Negativbeispiele nennt er neben anderen Ex-Ford-Chef Jacques Nasser und Ex-Enron-Boss Jeffrey Skilling . 

Wilhelm Friedrich Boyens , Executive Chairman der Personalberatung Egon Zehnder, hält Charisma zwar nicht für die zentrale Qualifikation einer Führungskraft, doch persönliche Ausstrahlung könne sehr wohl hilfreich sein kann. „Manager müssen heute an vielen Fronten Botschaften glaubhaft verkörpern“, sagt Boyens. „Ohne klares, selbstbewusstes Auftreten ist das nicht möglich.“ 

cornelius.welp@wiwo.de 

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