Transrapid Chinesen drehen Spieß um

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Die Meldung der WirtschaftsWoche vom 2. Dezember vergangenen Jahres (Heft 50/2004), wonach chinesische Spitzeningenieure in Shanghai mitten in der Nacht versucht haben sollen, geheime deutsche Transrapid-Technologie auszuspähen, und dabei von einem ThyssenKrupp-Ingenieur gefilmt worden seien, schlägt in China weiter hohe Wellen. Uns erreichte inzwischen ein Schreiben der Shanghaier Volksregierung und des Chefs der Shanghai Maglev Transportation Development Co., Wu Xiangming (Commander Wu), in dem diese die Vorwürfe als „frei erfunden“, „bösartig“ und „eine Beleidigung für chinesische Ingenieure“ zurückweisen. Wu dreht in seiner Stellungnahme sogar den Spieß um und beschuldigt ThyssenKrupp der Industriespionage: Das „Gesamt-System“ des Transrapid sei schon am 13. April 2004 „dem chinesischen Kunden übergeben“ worden. Seither könne es ein „Technologieausspähen“ gar nicht (mehr) geben. Was in der Meldung der WirtschaftsWoche als „Spionageversuch“ bezeichnet wurde, sei eine „ganz normale Tat“ gewesen. „Unnormal“ sei dagegen, so der Commander, „wenn der deutsche Ingenieur nachts in die schon von Chinesen selbst verwaltete Wartungsstation schlich und gefilmt hat“. Seine Aktion sei eine „Handlung von Technologieklau“ (siehe Ausriss). 

Das zuständige Vorstandsmitglied von ThyssenKrupp Technologies in Essen, Heinrich Igelbüscher, der sich in einem Brief vom 9. Dezember 2004 an Commander Wu offenbar auf dessen Veranlassung von der WirtschaftsWoche-Meldung „distanziert“ und sie „als Versuch“ bezeichnet hatte, „die vertrauensvolle Zusammenarbeit in dem Transrapid-Projekt Shanghai und die laufenden konstruktiven Gespräche über die Lizenzvereinbarungen zu stören“, nannte die Vorwürfe Wus „absurd“. Der Transrapid sei schließlich Thyssens „eigene Entwicklung“. 

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Die Chinesen sind beim Thema Technologieklau derzeit äußerst empfindlich. Sie spüren, dass der internationale Druck auf einen besseren Schutz geistigen Eigentums stark zunimmt. Bei der jüngsten Kanzlerreise nach Peking stand das Thema auf der Wunschliste der deutschen Wirtschaft ganz oben. Vergangene Woche beschuldigte der amerikanische Handelsminister Donald Evans den chinesischen Autobauer Chery öffentlich, beim Bau seines Modells QQ von GM gestohlene Informationen zu benutzen. WIW 

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